• Afghanistan und Pakistan: Mehr als 200 Tote und schwere Schäden nach Erdbeben am Hindukusch
Update

Afghanistan und Pakistan : Mehr als 200 Tote und schwere Schäden nach Erdbeben am Hindukusch

Heftig bebte die Erde im Hindukusch. Afghanistan, Pakistan, Indien und Nepal werden erschüttert. Erste Berichte über Tote und Zerstörungen gibt es aus Pakistan. Wie schwer sind die Folgen für die Region?

Die Schäden des Erdbebens in Kohat, Pakistan am Montag. Die Folgen der schweren Erdstöße haben vielen Menschen das Leben gekostet.
Die Schäden des Erdbebens in Kohat, Pakistan am Montag. Die Folgen der schweren Erdstöße haben vielen Menschen das Leben gekostet.Foto: dpa

Bei dem schweren Erdbeben in Afghanistan und Pakistan sind nach jüngsten Angaben der Behörden in beiden Ländern mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Toten allein in Pakistan stieg bis Montagabend (Ortszeit) auf mehr als 150. Die meisten Opfer gebe es in der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa und in den Stammesregionen an der Grenze zu Afghanistan, sagte ein Sprecher von Premierminister Nawaz Sharif. In Afghanistan zählten die Behörden mindestens 69 Tote. In der Provinz Kunar im Osten kamen 42 Menschen ums Leben, 67 wurden verletzt, wie Abdul Habib Sayedkhel, Polizeichef der Provinz, sagte.

In einer Schule in der nordafghanischen Provinz Takhar löste das Beben eine Massenpanik aus, bei der mindestens zwölf Schülerinnen starben. Die Mädchen hätten panisch versucht, ihre Schule zu verlassen, sagte der Chef des Provinzkrankenhauses, Hafisullah Sapai. Dabei seien 39 weitere Schüler verletzt worden. Mindestens sechs Menschen starben in der ostafghanischen Provinz Nangarhar, wie die Polizei mitteilte. Der Gouverneur der Provinz Badachschan sagte, er befürchte, dass mehrere Wohngebiete in dem Berggebiet stark betroffen seien.

Stromnetze und Kommunikationsverbindungen brachen in Teilen Pakistans und Afghanistans und Nordindiens zusammen, Häuser stürzten ein, Straßen wurden blockiert. Überall rannten Menschen in Panik auf die Straßen. Das Zentrum des Bebens lag in der dünn besiedelten Bergregion Badachschan im Nordosten Afghanistans. Dort kostete eine vom Beben ausgelöste Massenpanik zahlreiche Schülerinnen das Leben. Die meisten Opfer gebe es in der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa und in den Stammesregionen an der Grenze zu Afghanistan, sagte ein Sprecher von Premierminister Nawaz Sharif. Hier rechneten die Behörden mit steigenden Opferzahlen.

Viele Menschen wurden von herabfallenden Trümmerteilen getroffen. Das Beben habe länger als eine Minute gedauert und schwere Schäden angerichtet, sagte ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. Die betroffene Region ist das Dreiländereck von Afghanistan, Pakistan und Tadschikistan. In einer Schule in der nordafghanischen Provinz Takhar löste das Beben eine Massenpanik aus, bei der mindestens zwölf Schülerinnen starben. Die Mädchen hätten panisch versucht, ihre Schule zu verlassen, sagte der Chef des Provinzkrankenhauses, Hafisullah Sapai. Dabei seien 39 weitere Schüler verletzt worden.

Erdrutsche blockierten auch die Hauptverbindungsstraße zwischen Pakistan und China

Mindestens sechs Menschen starben in der ostafghanischen Provinz Nangarhar, wie die Polizei mitteilte. Der Gouverneur der Provinz Badachschan sagte, er befürchte, dass mehrere Wohngebiete in dem Berggebiet stark betroffen seien. Das Potsdamer Geoforschungszentrum registrierte eine Stärke von 7,5, ebenso die US-Erdbebenwarte. Das Zentrum des Bebens lag rund 70 Kilometer südlich der afghanischen Stadt Faisabad, wo die Bundeswehr bis 2012 ein Außenlager unterhielt. „Was es günstiger macht ist, dass das Beben sehr tief ist, also 205 Kilometer“, sagte Professor Frederik Tilmann vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) der dpa. Das Ausmaß der Schäden sei voraussichtlich sehr viel geringer als 2005 in Kaschmir, „wo wir Zehntausende Tote hatten bei einer ähnlichen Amplitude“. In Pakistan forderte die Regierung Streitkräfte, Polizisten, lokale Beamte und zivile Helfer dazu auf, alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren.

Die Auswirkungen des Erdbebens in Peshawar, Pakistan, am Montag.
Die Auswirkungen des Erdbebens in Peshawar, Pakistan, am Montag.Foto: dpa

Ein Augenzeuge in Abbottabad berichtete der Zeitung „Dawn“, in seiner Region seien mehrere Erdrutsche ausgelöst worden. Erdrutsche blockierten auch die Hauptverbindungsstraße zwischen Pakistan und China. Nach Angaben der Verkehrsbehörde steckten tausende Reisende in der abgelegenen Region fest. Auch im Swat-Tal gebe es viele Schäden, schrieb die pakistanisch-kanadische Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy auf Twitter. In der Hauptstadt Islamabad fiel wegen des Bebens das Fernsehen aus. Im nordindischen Kaschmir brachen die Handy-Netze zusammen. Die Erschütterungen waren bis in die Hauptstadt Neu Delhi und in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu zu spüren. Fast auf den Tag genau vor einem halben Jahr, am 25. April, gab es ein großes Himalaya-Erdbeben der Stärke 7,8, dessen Zentrum in Nepal lag. Damals starben rund 9000 Menschen.

Indiens Premierminister Narendra Modi bot den betroffenen Regionen Hilfe an. Er betonte, dies gelte auch für Pakistan. Erst Stunden vor dem Erdbeben war an der Waffenstillstandslinie zwischen den beiden Atommächten noch geschossen worden, dabei hatte es auf beiden Seiten Tote gegeben. Bei der Messung von Erdbeben wird die Stärke der Bodenbewegung angegeben (Magnitude). Weltweit treten jährlich etwa 50 000 Beben der Stärke 3 bis 4 auf. Etwa 800 haben die Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben hat den Wert 8. Erdbeben können je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise unterschiedliche Auswirkungen haben. Meist gilt: Stärke 6: mäßiges Beben, Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen. Stärke 7: starkes Beben, oft mit katastrophalen Folgen. (dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben