Afrika : Heimatrecht bleibt bei Botswana-Buschmännern

In einem der reichsten Länder Afrikas ist einer der längsten, teuersten und emotionalsten Prozesse mit einem Sieg für die Ureinwohner geendet. Das Gericht sprach ihnen das Heimatrecht in der Kalahari-Trockensteppe zu.

Johannesburg/Gaborone - Botswanas Buschmänner oder Bassarwa setzten sich nach Angaben ihres Anwalts damit durch, ihr Recht auf Heimat im Land ihrer Ahnen einzuklagen. Der Prozess war landesweit im Fernsehen übertragen worden. Während der erste der drei Richter des Obersten Gerichts von Botswana im Süden Afrikas den Ureinwohnern absprach, noch den Lebensstil von Jägern und Sammlern zu führen, gingen die beiden anderen Richter mit der Regierung überaus kritisch ins Gericht.

In den wesentlichen Punkten gaben sie den Klägern Recht. Mit ihrer Auffassung, dass die Vertreibung aus dem eigens für die Ureinwohner errichteten Kalahari-Naturreservat illegal gewesen sei, machten sie den Weg für eine Rückkehr der Buschmänner frei - sofern die Regierung nicht noch alle verbleibenden rechtlichen Möglichkeiten ausschöpft. Ein Sprecher der Buschmann-Lobbygruppe First People of the Kalahari sagte: "Wir sind sehr, sehr glücklich, das ist genau, was wir wollten". Vor dem Gerichtssaal herrsche eine ausgelassene Stimmung.

Weg frei für Rückkehr

Das Urteil mache den Weg für die Rückkehr frei. Allerdings habe die Regierung nun noch sechs Wochen Zeit, über eine Berufung zu beraten. Bei dem international Aufsehen erregenden Prozess ging es um das Heimatrecht der letzten Ureinwohner im südlichen Afrika. Jahrtausende lang durchstreiften sie als Jäger und Sammler die Kalahari- Trockensteppe. Ende der 1990er Jahre jedoch hatte die Regierung des durch Diamanten reich gewordenen einstigen britischen Mandatsgebiets begonnen, sie aus dem einst eigens für sie errichteten Naturreservat umzusiedeln.

Alle Bewohner des Landes sollten gleiche Entwicklungschancen erhalten, lautete die Argumentation der Regierung - und die seien in weit zerstreuten Siedlungen kaum vorzuhalten. Vertreter von Selbsthilfegruppen sowie vor allem die in London ansässige Organisation "Survival International" dagegen verdächtigten die Regierung, in der Kalahari Bergbaulizenzen vergeben zu wollen. Seitdem war eine Art Kampf der Kulturen entbrannt, bei dem sich Neuzeit und Tradition unversöhnlich gegenüber standen und die Positionen sich unter internationalem Druck weiter verhärten. Das positive Image des lange Zeit als demokratischer Musterstaat angesehenen Botswana erlitt durch medienwirksame Protestaktionen im Ausland arge Einbußen.

"Mindestens 10 Prozent der 243 Kläger" gestorben

Kritiker schreckten selbst vor dem Vorwurf des "Völkermords" nicht zurück, seit die Regierung die Wasserversorgung in dem Reservat einstellte. Die Politik reagiert empfindlich und verwies auf Siedlungen, in denen den Bassarwa Gesundheitsstationen, Schulen oder Lehrwerkstätten geboten würden. Ihren Kritikern hielt die Regierung entgegen, dass sie die Buschmänner als "edle Wilde mit Lendenschurz" verklärten und sie ohne Entwicklungsperspektive auf ewig in ihren traditionellen Lebensweisen gefangen halten wollten.

Nachdem eine Klage von 243 Bassarwa im April 2002 vor dem Obersten Gericht an einem Verfahrensfehler scheiterte, gab es im Juli 2004 eine Neuauflage. Nach Angaben von "Survival International" sind seit Prozessbeginn "mindestens 10 Prozent der 243 Kläger" gestorben, doch hätten sich dafür 135 andere in der Zwischenzeit der Klage angeschlossen. In der Kalahari leben nach offiziellen Angaben noch einige Dutzend Buschmänner. Insgesamt wird die Zahl der in Botswana lebenden Bassarwa auf bis zu 50.000 geschätzt. (Von Ralf E. Krüger, dpa)

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