Welt : Afrikaner stirbt nach Einsatz von Brechmitteln

Karsten Plog

Ein 19jähriger Kameruner, der am Sonntag in Hamburg nach einer gewaltsamen Brechmitteleinleitung einen Herzstillstand erlitten hatte, ist tot. Das teilte am Mittwoch der Direktor der Klinik für Anästhesiologie des Universitätskrankenhauses Eppendorf, Jochen Schulte am Esch, mit. Der mutmaßliche Drogendealer lag seit Sonntag im Koma und hatte das Bewusstsein nicht wiedererlangt. Der Vorgang löste Empörung aus. "Leider haben alle ärztlichen Bemühungen das Leben des Patienten nicht retten können," sagte Schulte am Esch. Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angekündigt.

Sie soll nicht im Universitätskrankenhaus erfolgen, wo dem Afrikaner auch zuvor das Brechmittel eingeflößt worden war. Der mutmaßliche Dealer, der 41 Rauschgiftkügelchen verschluckt hatte, hatte sich im Krankenhaus gewehrt. Die Ärztin hatte daraufhin Verstärkung bei der Polizei angefordert, die den Mann festhielt, während ihm das Brechmittel verabreicht wurde. Danach war der Afrikaner am Boden liegen geblieben. Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Der Mitte-Rechts-Senat hat den Vorfall bedauert, aber betont, er werde auch in Zukunft auf solche Einsätze nicht verzichten. Sie seien bei der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität unabdingbar. Innensenator Ronald Schill hatte Vergleiche zur Anästhesie bei Operationen gezogen. Auch dort komme es gelegentlich zu Unfällen, ohne dass deshalb auf die Betäubung verzichtet werde. Der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, forderte einen sofortigen Stopp für alle gewaltsamen Brechmittel-Einsätze. Er bot Ärzten, die sich solchen Einsätzen verweigerten, die Rückendeckung der Kammer an. Dagegen hat der Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts des Universitätskrankenhauses, Klaus Püschel, das Vorgehen gegen mutmaßliche Dealer verteidigt. Der Tod des Kameruners hat am Mittwoch auch die Bürgerschaft beschäftigt. Die Grün/Alternative Liste (GAL) fordert den Stopp aller Brechmittel-Einsätze, eine genaue Aufklärung der Vorgänge im Krankenhaus und eine Neubewertung der bisher verwendeten Methoden. Im Sommer dieses Jahres hatte die GAL noch zähneknirschend zugestimmt, als der damalige rot-grüne Senat auf Bestreben der SPD dem Brechmitteleinsatz beschlossen hatte. Heftige Kritik kommt auch von den freien Drogen-Hilfseinrichtungen. Sie nennen die Verwendung von Brechmitteln "inhuman" und "unverhältnismäßig".

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