AirAsia QZ8501 : Die Maschine konnte offenbar intakt auf dem Wasser landen

Ermittler suchen nach der Absturz-Ursache des AirAsia-Fluges. Nach und nach werden immer mehr Einzelheiten bekannt. Dazu gehören auch zahlreiche Unregelmäßigkeiten.

Daniel Kestenholz
Dunkle Wolken am Horizont. Bergungsmannschaften sind weiter auf der Suche nach Opfern und Wrackteilen von Flug AirAsia QZ8501.
Dunkle Wolken am Horizont. Bergungsmannschaften sind weiter auf der Suche nach Opfern und Wrackteilen von Flug AirAsia QZ8501.Foto: Reuters

Eine Woche nach dem Absturz von AirAsia QZ8501 auf dem Weg vom indonesischen Surabaya nach Singapur sind Wetterbedingungen und Fahrlässigkeit der Airline in den Fokus der Ermittlungen gerückt, die beim Absturz des Airbus A320 mit 162 Menschen an Bord eine Rolle gespielt haben könnten.

Laut der indonesischen Zeitung „Jakarta Post“ soll die Airline Standardprozedere verletzt haben. Bislang wurden erst neun von 31 geborgenen Leichen identifiziert. Einige Opfer waren noch an ihre Sitze angeschnallt und mussten beim Aufprall aus dem Wrack gespült worden sein. Ein Aufbrechen der Maschine in der Luft kommt indonesischen Ermittlern zufolge nicht infrage, zumal die Leichen größtenteils unversehrt seien, abgesehen von der aufdunsenden Einwirkung von Meerwasser. Dass auch bereits drei unangeschnallte Flugbegleiter gefunden wurden, spreche für die Theorie, dass die Piloten die Maschine intakt auf dem Wasser landen konnten und die Crew ihre Arbeit zu verrichten versuchte.

Indonesiens Wetterbehörde zufolge seien wahrscheinlich Witterungsbedingungen der „auslösende Faktor“ des Unglücks. Vereisung der Triebwerke und Flügel sowie der Ausfall von automatischen Systemen könnten zum Verlust der Kontrolle über die Maschine geführt haben, ähnlich wie beim Absturz von Air-France-Flug AF447 im Juni 2009 über dem Atlantik. Rund 90 Taucher aus Indonesien und Russland sind bei schwierigen Wetterbedingungen mit hohem Wellengang im Einsatz. Schallgeräte spürten inzwischen mehrere größere Wrackteile auf, eines davon rund 18 Meter lang. Vom Rumpf und Cockpit der Maschine sowie den beiden Flugschreibern scheint nach wie vor jede Spur zu fehlen. Wie Trophäen stellen die indonesischen Suchkräfte die durchnummerierten Särge und geborgenen Wrackteile vor den Medien zur Schau. Angehörige der Opfer baten die Behörden, die Leichen nicht mehr den Live-Kameras zu präsentieren, sondern mehr Respekt walten zu lassen.

Die Fluggesellschaft soll für diese Linie an Sonntagen über keine Flugerlaubnis verfügt haben

Inzwischen wurde bekannt, dass die Piloten am Unglückssonntag ohne aktuellen Wetterbericht abgeflogen sein sollen. Das berichtete die „Jakarta Post“. AirAsia habe den Bericht am Tag des Absturzes um 7 Uhr erhalten. Die Maschine sei aber bereits um 5.35 Uhr gestartet, sagte Andi E. Sakaya, Chef von Indonesiens zuständiger Wetterbehörde. AirAsia dementierte den Vorwurf und bekräftigte, Wetterberichte würden vor jedem Flug „vorsichtig evaluiert“. Laut Indonesiens Transportministerium soll die Fluglinie auch über keine Flugerlaubnis an Sonntagen von Surabaya nach Singapur verfügt haben, was umso mehr erstaunt, als dass das Flugverbot lediglich von Ende 2014 bis Anfang 2015 gegolten haben soll, wenn das Passagieraufkommen überdurchschnittlich hoch ist. AirAsia dementierte erneut, wobei das indonesische Transportministerium „Unregelmäßigkeiten“ nachgehen will. „Irgendjemand muss die Erlaubnis ausgestellt haben“, so Djoko Murjatmodjo, für Flugverkehr zuständiger Direktor im Transportministerium. „Wir wollen wissen, wer und warum.“

Angehörige der Opfer wollen zunächst keine rechtlichen Schritte gegen die Fluglinie erwägen. Priorität sei, die Opfer zu finden und zu erfahren, was an Bord geschehen sei, so ein Verwandter eines 13-jährigen vermissten Buben an Bord. AirAsia stellte den Hinterbliebenen eine erste Entschädigungszahlung in der Höhe von 24 000 Dollar pro Passagier in Aussicht.

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