Airbus-Absturz : Das Wunder vor den Komoren

Sie ist erst fast 13 Jahre alt, ausgesprochen schüchtern und kann kaum schwimmen. Und trotzdem hat Bahia Bakari als Einzige den Absturz des jemenitischen Airbus’ vor der Küste der Komoren überlebt. Gegen Frankreich werden Vorwürfe laut, dass niemand über die Mängel am Airbus informiert worden seien.

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Die Suche dauert an. Nur ein Mädchen konnte sich nach dem Absturz retten. -Foto: dpa

Sie ist erst fast 13 Jahre alt, ausgesprochen schüchtern und kann kaum schwimmen. Und trotzdem hat Bahia Bakari als Einzige den Absturz des jemenitischen Airbus’ vor der Küste der Komoren überlebt – und das mit vergleichsweise geringfügigen Verletzungen.

Ihr Schicksal rührt die Menschen. Gleichzeitig steigt in Paris die Wut vieler Komorer auf die jemenitische Fluggesellschaft Yemenia, die zwischen Jemen und den Komoren alte Maschinen einsetzt.

Das gerettete Mädchen lebt nach jüngsten Angaben ihres Vaters Kassim Bakari gemeinsam mit ihrer Familie in Corbeil-Essonne bei Paris. Gemeinsam mit ihrer Mutter wollte sie Verwandte auf den Komoren besuchen. Sie hatte schon tausende Kilometer und mehrere Zwischenlandungen hinter sich, als es plötzlich schwarz um sie herum wurde. „Sie wurde aus der Maschine geschleudert“, erzählt ihr Vater, der inzwischen zwei Mal mit der kleinen Patientin im Krankenhaus von Moroni telefonieren konnte. „Sie fühlte gar nichts. Dann fand sie sich im Wasser wieder. Es gelang ihr, sich an irgendetwas festzuklammern.“ Ihrem Vater erzählte sie: „Papa, wir sind ins Wasser gefallen. Ich habe Leute gehört, die sprechen. Doch ich habe niemanden gesehen. Um mich herum ist alles schwarz gewesen.“

Wenn diese Wahrnehmung stimmt, dann haben offenbar mehrere Menschen den Absturz zunächst überlebt, bevor sie ertranken. Zehn Stunden nach dem Absturz fanden Rettungskräfte schließlich die Kleine inmitten von Leichen und Trümmerteilen. „Wir warfen ihr einen Rettungsring zu, doch in der stürmischen See konnte sie nicht danach greifen“, erzählt einer ihrer Retter dem Sender Europe 1. „Schließlich sprang ich selbst ins Wasser, um sie zu holen.“ Sie habe gar nicht mehr aufgehört zu zittern. „Wir wickelten sie in vier Decken, wir gaben ihr heißes Wasser und Zucker, fragten nur noch nach ihrem Namen, ihrem Dorf.“ Dann brachten sie das Mädchen auf die Intensivstation des Krankenhauses der Hauptstadt.

„Es ist wirklich, wirklich ein Wunder“, sagt der Leiter des Krisenstabs in Moroni, Ibrahim Abdoulazeh. „Dieses junge Ding kann kaum schwimmen“. Auch ihr Vater kann es nicht glauben. „Sie ist sehr scheu. Ich hätte nie gedacht, dass sie so etwas schaffen würde“, sagte Kassim Bakari AFP. Nach seinen Angaben hat sie lediglich ein gebrochenes Schlüsselbein und Brandwunden am Knie. Er glaubt nicht an ein Wunder: „Ich denke, der liebe Gott hat es so gewollt“. Derzeit wird Bahia im Krankenhaus von Moroni behandelt.

Der Vizepräsident der Komoren, Idi Nadhoim, hat Frankreich vorgeworfen, sie nicht über die dort 2007 festgestellten Mängel an dem Unglücks-Airbus informiert zu haben. Das ist zwar richtig. Bei der Maschine handelt es sich aber nicht um eine komorische, sondern um eine jemenitische. Die staatliche jemenitische Fluggesellschaft war verständigt worden. Dass die Komoren nicht selber darüber wachen, dass dort verkehrende Maschinen nach internationalen Standards überprüft werden, ist ein Versäumnis der Komoren und nicht ein Versäumnis Frankreichs. Der komorische Vizepräsident warf Frankreich, das die Komoren 1968 in die Unabhängigkeit entließ, indirekt sogar vor, mit seiner Informationspolitik Bürger komorischer Herkunft zu benachteiligen. Ob es etwas bewirkt hätte, wenn Frankreich die Komoren verständigt hätte, ist äußerst fraglich. Die Fluggesellschaft der Komoren, Air Service Comores, steht selbst auf der schwarzen Liste jener Airlines, die nicht in die EU fliegen dürfen, weil ihre Maschinen Mängel aufweisen, die trotz ausdrücklicher Aufforderung nicht behoben werden. -du/AFP

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