Airbus-Unglück : Signale aus der Tiefe

Die Suche nach den Flugdatenschreibern des am 1. Juni in den Atlantik gestürzten Airbus der Air France wird für die Bergungsmannschaften immer mehr zum Wettlauf mit der Zeit. Die Hoffnung auf eine Ortung der Black Box von Flug 447 währte am Dienstag nicht lange.

Rainer W. During
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Die Bergung von Wrackteilen gestaltet sich mühsam. -Foto: ddp

Nur noch bis zum Monatsende reichen die Batterien der Sender, die durch Funksignale die Ortung bei beiden Black Boxes ermöglichen sollen. Gestern zerschlug sich erneut die Hoffnung, die Position der beiden Rekorder könnte entdeckt worden sein. Die französischen Behörden dementierten einen Zeitungsbericht, wonach eines der eingesetzten Schiffe entsprechende Geräusche empfangen hatte.

Von den Bergungsschiffen seien bereits wiederholt Signale aufgefangen worden, die aber nicht von den Sendern stammten, sagte der Chef der französischen Flugunfall-Untersuchungsbehörde BEA, Paul-Louis Arslanian. Jetzt erneut registrierte Geräusche müssen erst ausgewertet werden. Verteidigungsminister Hervé Morin bestätigte, dass von dem zur Unglücksstelle entsandten Atom-U- Boot Emeraude bereits am Sonnabend Funksignale aufgefangen wurden, deren Quelle bisher aber nicht feststehe. Er warnte vor allzu großen Hoffnungen, die Flugdatenschreiber in dem an der Unfallstelle rund 6000 Meter tiefen Ozean zu finden. Die Zeitung „Le Monde“ hatte auf ihrer Website gemeldet, die französische Marine habe vor der brasilianischen Küste schwache Funksignale empfangen, die von den Black Boxes stammen könnten. Deshalb sei bereits am Montag das von dem Forschungsschiff „Pourquoi Pas“ mitgeführte Mini-U-Boot „Nautile“ für die weitere Suche eingesetzt worden.

Weil das kilometertiefe Wasser wie ein Filter wirkt, können die Funksignale nicht an der Oberfläche empfangen, sondern nur mithilfe von Unterwasser- lauschbojen geortet werden, mit denen die entsprechende Frequenz von 37,5 kHz abgehört wird. Sie werden von den Ortungsschiffen in unterschiedlicher Tiefe langsam durch das fragliche Seegebiet gezogen.

Die Batterien der Unterwassersender, die beim Kontakt mit Feuchtigkeit automatisch aktiviert werden, reichen für mindestens 30 Tage. Sind die Signale erst einmal verstummt, gibt es keine Chance mehr, die Flugdatenschreiber zu finden. Doch selbst wenn es gelingt, die beiden Black Boxes, die eigentlich orangefarben sind, zu lokalisieren, ist es fraglich, ob deren Bergung gelingt. Der Boden des im Bereich der Unfallstelle bis zu 6000 Meter tiefen Meeres gleicht einem Hochgebirge, nur ferngesteuerte Tauchroboter können in diese Bereiche vordringen. Damit nicht genug, die Rekorder könnten auch unerreichbar in eine der bis zu 11 000 Meter tiefen Felsspalten gerutscht sein.

Ohne die Aufzeichnungsgeräte dürfte es unmöglich sein, die Ursache für die Flugzeugkatastrophe, bei der 228 Menschen – darunter auch 28 Deutsche – ums Leben kamen, detailliert zu ermitteln. Fest steht, dass die Maschine in ein schweres Gewitter geriet und in der Luft auseinanderbrach.

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