Welt : Alete-Babybrei mit E 605 vergiftet

Nestle-Konzern erneut erpreßt / Gläser aus Supermärkten der betroffenen Gegend um Pleidelsheim entfernt LUDWIGSBURG (dpa).Der Nestle-Konzern wird von einem Erpresser bedroht, der Babybrei mit Pflanzenschutzmitteln vergiftet hat.Nach Angaben von Nestle Deutschland vom Dienstag wurden in Geschäften im Raum Pleidelsheim in Baden-Württemberg vergiftete Baby-Gläschen mit Alete-Brei der Bezeichnung Baby-Birne gefunden.Alle gefährdeten Gläser seien aus den Regalen genommen worden.Das Unternehmen bat Verbraucher, die zwischem dem 19.und 27.Januar solche Gläschen gekauft haben, die Säuglingsnahrung in die Geschäfte zurückzubringen. Weder der Konzern noch Staatsanwaltschaft oder Polizei gaben am Dienstag Details der Erpressung bekannt.Aus ermittlungstaktischen Gründen könne man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts sagen.Francois Perroud, ein Sprecher des Schweizer Nestle-Konzerns, erklärte: "Der Fall muß so schnell wie möglich aufgeklärt werden.Wir arbeiten dabei eng mit der Polizei zusammen." Wahrscheinlich habe der jüngste Fall mit der Erpressung der auch zum Nestle-Konzern gehörenden Firma Thomy nichts zu tun. Nach zunächst unbestätigten dpa-Informationen vergiftete der Erpresser die Babynahrung mit dem Pflanzenschutzmittel Parathion (E 605).Wieviele vergiftete Gläschen entdeckt wurden, ist unklar.Die vergiftete Baby-Nahrung soll aber nur in den Regalen eines Geschäftes in Pleidelsheim gefunden worden sein. Das gefährliche Unkrautvernichtungsmittel E 605 ist ein in Deutschland weit verbreiteter, hochgiftiger Stoff.Bereits eine Messerspitze davon ist bei Kindern tödlich.Das Gift ist Experten zufolge an einem "stark muffigen Geruch" zu erkennen.Es wird unter anderem im Wein- und Obstbau verwendet. Nach dpa-Informationen liegen der Polizei mehrere Schreiben des Erpressers vor.Details aus den Erpresserschreiben sind nicht bekannt.Zunächst nahmen die Ermittler offenbar an, es handele sich um einen sogenannten Trittbrettfahrer der jüngsten Schwartau-Erpressung.Ende Januar war ein Mann festgenommen worden, der gestanden hat, die Schwartauer-Werke in Bad Schwartau bei Lübeck erpreßt zu haben. Beim Gläseröffnen auf das "Plopp" achten Kunden können sich vor vergifteten Lebensmitteln schützen / Infotelefon eingerichtet STUTTGART (AFP).Große Lebensmittelkonzerne sind in den vergangenen Monaten mehrmals Ziel von Erpressern geworden.Zuletzt war ein 48jähriger in Ingolstadt festgenommen worden, der "Schwartau"-Marmeladengläser mit dem Giftstoff Warfarin versetzt und die Ware im Dezember in Norddeutschland zurück in den Handel gebracht hatte.In diesem Fall waren die Gläser an den Deckelinnenseiten allerdings mit dem Hinweis "Vorsicht Gift" gekennzeichnet.Doch in der Regel weisen die Täter nicht noch eigens auf die Gefahr hin.Verbraucherschützer und Polizei raten den Kunden daher, beim Kauf von Lebensmitteln auf bestimmte Auffälligkeiten zu achten. Zunächst sollten Kunden generell darauf achten, daß die Verpackung der Lebensmittel nicht beschädigt ist."Ich bin schon bei einem kleinen Fingernagel-Eindruck auf einem Joghurt-Deckel vorsichtig", sagt Heidi Schworm von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.Im Zweifel sei es besser, die Lebensmittel zum Händler zurückzubringen, "denn der muß die Unversehrtheit der Verpackung garantieren".Bei beschädigten Verpackungen müssen Ausgaben des Kunden demnach rückerstattet werden.Laut Schworm sind die Hersteller aufgrund der häufigen Vergiftungsfälle dazu übergegangen, die Verpackungen wieder stärker zu sichern. Produkte, bei denen ein konkreter Verdacht auf Vergiftung besteht, sollten direkt zur Polizei gebracht werden.Auch bei der Lebensmittelüberwachung können Auffälligkeiten gemeldet werden.Viele Hersteller haben zudem Kundentelefone eingerichtet."Eine hundertprozentige Sicherheit wird es aber nie geben", sagt Schworm.So seien Gift-Einspritzungen mit Nadeln nur schwer zu erkennen.Grundsätzlich sollten Verbraucher auf Geruch, Aussehen und Geschmack der Produkte achten.Im einzelnen raten Verbraucherschützer und Polizei Sind Gläser und Flaschen vakuumverschlossen, muß beim Aufdrehen das gewohnte "Plopp" oder "Knack" zu hören sein. Bei Flaschen mit Drehverschlüssen sollen Konsumenten darauf achten, daß die Papierbanderole oder der Sicherheitsring an der Verschlußkappe nicht beschädigt sind. Auch bei anderen vakuumverpackten Produkten wie Kaffee soll der Verbraucher auf das Zischgeräusch beim Öffnen achten. Milch- und andere Plastikbeutel sollten bereits im Laden durch Drücken daraufhin geprüft werden, ob sie dicht sind.Bei Joghurt- und anderen Plastikbechern kann der Käufer prüfen, ob sie dicht sind und der Deckel unbeschädigt ist. Dosen, Tuben und Tetrapacks sollten ebenfalls auf Löcher oder andere Beschädigungen kontrolliert werden; bei Pappverpackungen ist darauf zu achten, daß die Versiegelung nicht aufgerissen ist. Nestle rief im jüngsten Fall dringend dazu auf, zwischen dem 19.und 27.Januar gekaufte Babynahrung der Sorte "Alete Baby-Birne" in die Geschäfte zurückzubringen.Auffällig sei, daß die vergiftete Speise einen "üblen, stechenden Geruch" habe.Auch fehle beim Öffnen der Gläserdeckel das übliche Vakuum-Knacken.Für besorgte Kunden richtete Nestle ein Info-Telefon unter der Nummer 0180/23 44 944 ein.Am Dienstag nachmittag waren die Leitungen bereits freigeschaltet.

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