Welt : Alfred Moen: Er erfand den Mischwasserhahn

Andreas Oswald

Wer in einer alten New Yorker Wohnung lebt, oder ein Mal zu Besuch in einem alten Haus im Londoner Stadtteil Notting Hill war, hat sich bestimmt schon die Finger verbrannt. Das Waschbecken und die Wanne im Badezimmer verfügen in der Regel jeweils über zwei Wasserhähne. Einer spendet kaltes, der andere heißes Wasser. Die Kunst besteht darin, den Heißwasserhahn so leicht zu öffnen, dass es möglichst lange dauert, bis kochendes Wasser kommt. Wobei das Wasser anfangs eiskalt ist, und es lediglich etwa vier Sekunden lang zwischen halblauwarm und ganzlauwarm schwankt, bevor man sich verbrennt. In diesen Sekunden spült der Kundige alle Seife von den Händen. Diese Fingerfertigkeit stirbt langsam aus und schuld daran ist ein Mann: Alfred Moen. Alfred Moen ist der Erfinder des Mischwasserhahns. Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage kurz berichtet, starb Moen, 84 Jahre alt, in seinem Haus in Destin, Florida. Moen verkörperte in der 40er Jahren eine New Economy aus technologischen Tüftlern, die von der damaligen Old Economy argwöhnisch beäugt wurden. Sieben Jahre lang suchte er einen Investor. Dabei war Moen kein spinnerter Erfinder, dessen Vorträge niemand hören will. Er war ein solider Entwicklungsingenieur. Schließlich gelang es ihm, die Firma "Raverna Metal Products" in Seattle für die Produktion zu gewinnen. Der erste Mischwasserhahn wurde testweise in San Francisco verkauft - für zwölf Dollar - und wurde in kürzester Zeit ein Renner. Moen hatte den Mischwasserhahn als Student entwickelt. Nach seiner Arbeit wusch er sich die Hände und verbrannte sich. "Das heiße Wasser kam schneller als ich erwartet hatte", zitierte ihn die "New York Times" aus einem Firmenprospekt. "Das brachte mich auf den Gedanken, dass aus dem Wasserhahn das kommen sollte, was Du von ihm willst." Moen gründete für Weiterentwicklungen eine eigene Firma, die heute 3500 Mitarbeiter beschäftigt. Seiner ersten Erfindung folgten weitere, um 200 Patente bereicherte er die Zivilisation, in einem Bereich, der ihr ziemlich wichtig ist: dem Klempnergewerbe.

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