Welt : Alkohol am Steuer: Bei 0,2 Promille ist in Portugal Schluss

Ralph Schulze

"Die Portugiesen fahren wie Autodiebe." Ein vernichtendes Urteil, das Goncales Nunes per Brief an eine portugiesische Tageszeitung über seine Landsleute fällt. Und der Verkehrspolizist Jose Paredes meint zur notorischen Disziplinlosigkeit der Portugiesen auf den Straßen: "Wir lieben das Risiko - das ist genetisch bedingt." Portugals Straßen gelten zusammen mit denen Griechenlands als die gefährlichsten der Europäischen Union und deswegen hat die Regierung in Lissabon nun den portugiesischen Kamikaze-Fahrern den Kampf angesagt.

In einem Aufsehen erregenden Schritt setzte die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Antonio Guterres durch, dass das Alkohollimit für Autofahrer von sofort an von 0,5 auf 0,2 Promille sinkt. Eine schmerzhafte Grenze, an die sich bisher nur wenige EU-Länder wie etwa Schweden oder Norwegen heranwagten.

Kein Wunder, dass Portugals Weinindustrie Sturm läuft gegen das neue Straßenverkehrsgesetz, das bei Überschreiten der Promillegrenze harte Sanktionen vorsieht: Führerscheinentzug, Stilllegung des Wagens, Geldstrafen bis 500 Euro drohen schon bei geringfügig höheren Alkoholwerten im Blut. Und wer mit mehr als einem Promille fährt, hat künftig gute Aussichten, bis zu einem Jahr ins Gefängnis zu wandern.

Eine amerikanische Verkehrssicherheitsorganisation kürte Portugals Straßenwelt "zu einer der gefährlichsten der Erde". Viele Verkehrsteilnehmer dort "haben nicht die geringste Ahnung vom Autofahren". Touristen werden gewarnt: "Es geschieht nicht selten, auf betrunkene oder rasende Autofahrer zu treffen." Und sogar Portugals Automobilclub, dem das neue Verkehrsgesetz, das auch die Raser an die Kette legen soll, ebenfalls nicht schmeckt, gibt zu: "Wir besitzen keine Kultur der Straßensicherheit."

"Fahren ist wie Stierkampf"

Portugal hat mit die höchste Unfallrate innerhalb der Europäischen Union. Und auch die Wahrscheinlichkeit, etwa an der portugiesischen Algarve bei einem Verkehrsunglück zu sterben, ist etwa doppelt so hoch als im europäischen Durchschnitt. Im vergangenen Jahr starben in dem kleinen Land mit rund zehn Millionen Einwohnern 1600 Menschen auf den Straßen. Immerhin waren dies weniger als in den Vorjahren, im Jahr 1995 kamen noch 2000 Menschen bei Unfällen um.

"Das ist wie ein großer Stierkampf", beschreibt Manuel Ramo, dessen Tochter bei einem Frontalcrash starb, das Klima auf den Straßen. Ramo spricht von einem Männlichkeitswahn, der zu einer aggressiven Straßenkultur geführt habe. Hinzu kommen, besonders im Hinterland, löchrige und schlecht abgesicherte Straßen, die noch für Eselskarren und nicht für jene rund fünf Millionen Fahrzeuge gebaut wurden, die heute durchs Land kurven.

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