Welt : All You need is Love

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Von Hendrik Bebber, London

Selbst die Hochzeitsgäste wussten angeblich nicht, wo Paul McCartney (59) und seine Verlobte Heather Mills (34) heiraten werden. Auf der Einladung, die der britischen Zeitung „Sunday People“ zugespielt wurde, steht nur, dass sie sich heute am Flughafen Heathrow einfinden sollen, wo die Reise ins Blaue losgeht. Die 300 Eingeladenen wurden auch vergattert, keine Kameras und Handys mitzunehmen.

Wenn es nicht ein gigantisches Ablenkungsmanöver ist, wird das Geheimnis wohl auf dem irischen Schloss Lesley gelüftet.

Dort jedenfalls kampieren schon seit einer Woche die Reporter aus aller Welt, die mittlerweile an Zahl die Bewohner des verschlafenen Dorfes Glaslough an der Grenze zu Nordirland übertreffen. Die Gerüchte, dass die Hochzeit in dem nahegelegenen Schlosshotel stattfinden wird, verdichteten sich letzte Woche, weil der Eigentümer den Mund nicht halten konnte. Der 84-jährige Sir John Lesley, dessen Familie seit dreihundert Jahren das Schloss bewohnt, erzählte Reportern auf dem Weg zum Postamt, dass McCartney und Mills bei ihm heiraten werden, aber „es ist ein großes Geheimnis". Kaum hatte der alte Exzentriker mit der Pfauenfeder am Barett kichernd das Schlosstor hinter sich zugeschlagen, knatterten schon von den Medien geheuerte Helikopter über dem weitläufigen Park, um mit Luftaufnahmen die ungeheure Nachricht zu verifizieren. Im Gespräch für den Hochzeitsort waren nämlich auch New York und eine Karibikinsel.

Doch jetzt deuten alle Indizien auf Schloss Lesley. Ein Sicherheitsdienst hat das Grundstück hermetisch abgeschirmt, und zwischen der Schlosskapelle und den extra errichteten Pavillons im Park wurde ein überdachter Weg gebaut, damit die Reporter das Paar auch nicht aus der Luft fotografieren können. Bei den heftigen Regenfällen über den britischen Inseln hilft dies sicher auch, die Hochzeiter und ihre Gäste trocken zu halten. Lastwagenkolonnen haben mittlerweile riesige Mengen von Speisen und Getränken, Stromgeneratoren und Heizöl angeliefert.

Letzte Gewissheit gab es schließlich am Dienstagabend: Paul McCartney und seine Verlobte Heather Mills stellten sich locker und entspannt rund 300 Fans, denen Einlass gewährt worden war. Sir Paul küsste seine 25 Jahre jüngere Braut und gab ihr eine rote Rose. „Wie ihr wisst, wird es morgen eine Hochzeit geben, aber das ist ein Geheimnis", witzelte er. Über die rund 300 geladenen Hochzeitsgäste machte er nur Andeutungen. „Von zehn Hochzeitsgästen habt ihr schon mal was gehört, der Rest sind Verwandte und Freunde", sagte McCartney. Medienberichte, Bill Clinton, Ringo Starr oder Eric Clapton seien geladen bestätigte er höchstens ein bisschen. „Wenn es schon durchsickern musste, ist es auf dem besten Weg durchgesickert", sagte er. Mills trug ebenso wie McCartney leger Jeans; sie wirkte trotz des Trubels gelassen. Die Abriegelung des Geländes hatte zu zu Spekulationen geführt, McCartney habe die Rechte an der Hochzeit wie vor ihm andere berühmte Paare für einen Millionenbetrag an das Magazin „Hello“ verkauft. McCartney teilte mit, er habe einen Exklusiv-Vertrag von 2,4 Millionen Euro des Magazins „Hello“ für die Hochzeitsbilder abgelehnt. Von der Feier soll es nur „ein Foto für alle“ geben. Der Erlös soll Wohltätigkeitsorganisationen zukommen.

Heather Mills war ein ehemaliges Modell für Schwimmmode. Diese Karriere beendete ein tragischer Unfall. 1993 fuhr sie beim Überqueren einer Straße in London ein Polizeimotorrad an. Danach musste ihr ein Unterschenkel amputiert werden. Hinfort arbeitete sie in der Hilfe für Körperbehinderte. Paul McCartney hatte sie vor drei Jahren bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung für die Opfer von Landminen kennen gelernt. Er litt damals noch stark unter dem Verlust seiner Frau Linda. Heather Mills gewann Paul McCartney zur Mitarbeit an einem Album und einem Video, deren Erlös Körperbehinderten zugute kam. Er spielt dabei Gitarre und agiert als Hintergrundsänger. Gegenüber Journalisten erklärte Paul McCartney, dass „mein Leben nun etwas heller geworden ist“, aber er hielt die Beziehung zu Heather lange Zeit streng geheim. Ihr Leben hatte die wie Paul McCartney in Nordengland geborene Frau in ihrer mutigen und schonungslosen Autobiographie „Out on a Limb“ („Ich stehe auf einem Bein") offen gelegt. Darin erzählt sie von ihrer schweren Kindheit. Ihre Mutter trennte sich früh von dem gewalttätigen Vater, der sie und ihre Geschwister ständig verprügelte. Heather schwänzte die Schule, stahl in Geschäften und verfiel dem Alkohol.Ihren ersten Job in einem Juwelierladen verlor sie schnell, weil sie einige Goldketten gestohlen hatte. Dieser Schock brachte den Wandel. Heather Mills nutzte ihr gutes Aussehen und begann hart für ihren Beruf als Model zu arbeiten. Eine Ehe und mehrere Verbindungen scheiterten. Schließlich wollte sie einen Kameramann heiraten. Doch da lernte sie McCartney kennen und die Trauung wurde zwei Wochen vor dem Termin abgesagt.

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