Welt : Alle Wetter - Wohin soll das führen: Das gab es seit 300 Jahren nicht

Andreas Oswald

Das hat es seit 300 Jahren nicht gegeben: Der Oktober war in Berlin wärmer als der September. Und der war schon einer der wärmsten der letzten 100 Jahre gewesen. Thomas Globig von Jörg Kachelmanns Berliner Wetteragentur Meteomedia schlug in alten Statistiken und in noch älteren Büchern nach.

Es war in der Tat ein Goldener Oktober. Gestern frühstückten Spätaufsteher noch im Garten. Viele zog es hinaus ins Freie. In den Parks waren Liebespaare zu sehen. Die höchste Temperatur im Oktober wurde am 14. mit 22,4 Grad gemessen. Sechs Tage mit mehr als 20 Grad verschafften dem Monat einen Hauch von Spätsommer.

Bemerkenswert waren aber auch die Nachttemperaturen. Teilweise grillten die Leute bis in die Nacht. Sie mussten zwar einen warmen Pullover und eine Jacke anziehen, aber es ließ sich gut aushalten. Es gab nicht einmal Bodenfrost. Die Nacht zum letzten Oktobertag war die wärmste in Berlin jemals registrierte Nacht im letzten Oktoberdrittel. 13,6 Grad wurden in Dahlem gemessen. In Kreuzberg betrug der Tiefstwert in der Nacht zum Mittwoch sogar 14 Grad. Regen und Sonnenschein waren weniger außergewöhnlich. Wie Thomas Globig, der auch das Wetter für den Tagesspiegel vorhersagt, aus den Messungen herauslas, schaffte die Sonne mit knapp 110 Stunden gerade mal ihr Soll. Geregnet hat es zwar nur an 15 Tagen, doch fielen mit etwa 43 Litern pro Quadratmeter etwa 20 Prozent mehr als im Oktober üblich.

Viele Menschen sind derzeit erkältet, weil sie das Wetter nicht einschätzen können. An einem Tag sind sie zu warm angezogen, am nächsten zu kalt. Und wenn dann noch der Wind bläst, kommt es schnell zu Erkältungen. Vor allem, wenn man vorher wegen eines zu dicken Pullovers und zu hoher Büroheizung verschwitzt war.

Ein Sturmtief beendete gestern abend den Oktober. An den Nord- und Ostseeküsten wurden Sturmwarnungen gegeben. An der Nordsee drohte eine schwere Sturmflut. Auch in Berlin blies das Sturmtief Manfred mit Böen der Stärke 9 bis 10 über Havel und Spree. Heute wird es weiter windig bleiben. Auch sinken die Temperaturen, die uns gestern noch einen wunderschönen Tag beschert haben. Erst zum Wochenende hin soll es wieder freundlicher werden. Doch sind Temperaturen wie gestern mittag dann kaum noch zu finden.

Auch wenn jetzt noch niemand an den Winter denken mag: Er kommt bestimmt. Das kann schneller gehen als man glaubt. Thomas Globig weist darauf hin, dass es bislang fast in jedem November zu ersten Schneefällen kam.

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