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Allgäu: Polizeikontrolle eskaliert : Ein Toter und drei Schwerverletzte nach Schießerei in Regionalbahn

Eigentlich wollten Polizisten im Allgäu nur die Fahrgäste eines Zuges kontrollieren. Am Ende ist ein Mann tot und drei weitere sind schwer verletzt. Inzwischen ermittelt auch das Polizeipräsidium in München.

Der Bahnhof von Kempten
Der Bahnhof von Kempten (Bayern) blieb nach einer Schießerei im Regionalzug München-Lindau bis zum Abend gesperrt.Foto: dpa

Bei einer Schießerei zwischen Polizisten und mutmaßlichen Straftätern in einem voll besetzten Zug ist im Allgäu ein 20 Jahre alter Mann ums Leben gekommen. Drei weitere Männer wurden am Freitag schwer verletzt, darunter zwei Bundespolizisten: Ein 44 Jahre alter Beamte erlitt einen Beinschuss, sein Kollege einen Schlag auf den Kopf. Die genauen Hintergründe der Tat in der Regionalbahn waren auch am Samstagmittag immer noch unklar.

"Die Ermittlungen gehen weiter", erklärte Kemptens Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Pollert am Samstag. Zu Details - etwa dem Verlust einer Dienstwaffe eines Bundespolizisten - wollte er sich nicht äußern. Alle drei Verletzten seien außer Lebensgefahr. Da auch ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) an dem Schusswechsel beteiligt war, wurde das Polizeipräsidium München mit der Bearbeitung beauftragt.
Wie die Polizei berichtete, wollten die beiden Polizisten die Fahrgäste des Zuges von Kaufbeuren nach Kempten kurz nach 14.30 Uhr kontrollieren. Dabei fiel ihnen auf, dass ein Passagier zur Fahndung ausgeschrieben war. Gegen den 20-Jährigen lag ein Haftbefehl zur Vollstreckung einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen räuberischen Diebstahls vor.

Vor der Schießerei kam es zu einem Handgemenge

Es kam zu einer Schlägerei, in deren Folge plötzlich mehrere Schüsse, fielen. Unklar blieb zunächst, ob auch die beiden Polizisten geschossen hatten. „Durch wen und in welche Richtung geschossen wurde, ist noch Gegenstand der Ermittlungen“, sagte Polizeisprecher Markus Asbach. Ein LKA-Beamter, der zufällig im Zug war, eilte herbei und schoss mehrmals.
Von weiteren Mittätern gehen die Ermittler nicht aus. „Es konnte ermittelt werden, dass es zwei Tatverdächtige gab. Die haben wir. Die Fahndung ist damit aufgehoben“, sagte Polizeisprecher Jürgen Krautwald am Abend.
Bei Günzach kam es infolge der blutigen Auseinandersetzung zu einer Notbremsung des „Alex“-Expresses 81148, der nach Polizeiangaben mit bis zu 400 Fahrgäste voll besetzt war. Die unbeteiligten Menschen kamen mit dem Schrecken davon, einige von ihnen wurden aber später von Experten psychologisch betreut.

Die Täter sprangen aus dem rollenden Zug

Mehrere Fahrgäste flüchteten nach dem Nothalt aus den Waggons, offensichtlich auch die beiden Täter. „Es ist gut möglich, dass die beiden Täter noch beim Rollen des Zuges herausgesprungen sind“, betonte Polizeisprecher Asbach. Der 20-Jährige sei dann überrollt worden, hieß es am Abend. Die Leiche des Mannes wurde später direkt an der Bahnstrecke entdeckt. Der zweite Täter wurde mit schweren Verletzungen in der Nähe gefunden und mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Alle drei Schwerverletzten sind außer Lebensgefahr.


Die Bahn fuhr nach dem Nothalt weiter bis nach Kempten. Der dortige Bahnhof wurde von zahlreichen Einsatzkräften abgeriegelt und der Zug durchsucht, weitere Täter aber nicht entdeckt. Die restlichen Fahrgäste konnten den Zug verlassen. Der Zug soll nun auf einem Nebengleis genau untersucht werden. Am Abend wurde der Bahnhof Kempten wieder geöffnet.
Wegen des Zwischenfalls wurde ein Großalarm ausgelöst, rund 160 Polizeibeamte, darunter auch SEK-Leute, sowie zahlreiche Helfer von Rettungsdiensten waren im Einsatz. Die Bahnstrecke zwischen Kempten und Günzach war stundenlang gesperrt. (dpa)

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