Welt : Alligator gegen Python

Wer gewinnt den Kampf der Riesenreptilien?

Dagny Lüdemann

In den Sümpfen Floridas gedeiht der burmesische Python prächtig. Die ursprünglich aus Myanmar, dem früheren Burma, stammende Riesenschlange wurde in den Süden der USA eingeschleppt. Mehr als 150 Exemplare, die bis zu zehn Meter lang werden können, sollen heute in den Everglades leben. Gestern berichtete der Tagesspiegel auf dieser Seite, dass die Pythons sich Kämpfe mit den dort heimischen Alligatoren liefern. Leser fragten, wer den Kampf gewinnt. In dem spektakulärsten Fall – als im Herbst 2005 ein etwa vier Meter langer Python einen nur halb so großen Alligator verschlang – ging der Kampf zu Ungunsten beider Kontrahenten aus: Der Alligator starb im Magen der Schlange. Und der Python? Der platzte.

Damals machte sich Reptilienexperte Frank Mazzotti von der Universität Kalifornien Sorgen um den Bestand der Alligatoren in Florida: „Wir hatten eigentlich gehofft, dass die Alligatoren die Pythons in Schach halten“, sagte er damals. In den wenigen anderen bekannten Fällen habe der Alligator gewonnen oder der Kampf sei unentschieden ausgegangen. Beide haben Vorteile. Während der Alligator tödlich zubeißen kann, kann der Python den Alligator erwürgen.

Der Fall des geplatzten Python beschäftigte die Experten so sehr, dass ein Spezialistenteam im Auftrag von „National Geographic“ in die Everglades reiste, um den Kampf der Reptilien zu rekonstruieren. Außerdem wollten die Forscher wissen, ob ein Python einen ganzen Alligator verdauen kann. Im Labor ließen sie Schlangen Alligatorfleisch fressen. „Zu unserer Überraschung dauerte es nur neun Tage, bis es zersetzt war“, berichtete Stephen Secor von der Universität Alabama damals.

Warum der berühmte Python aus den Everglades damals platzte, anstatt seine Beute einfach zu verdauen, ist bis heute ungeklärt. Eine Theorie besagt, die Schlange sei durch die bei der Verwesung frei gewordenen Gase geradezu aufgepumpt worden und deshalb geplatzt. Andere glauben, der Alligator habe geschlafen als er verschlungen wurde, sei dann im Innern des Python erwacht und habe um sich geschlagen bis die Schlangenhaut riss.

Die Experten der „National Geographic“-Expedition sind überzeugt, dass es ganz anders war: Ein dritter Alligator nutzte vermutlich die missliche Lage, in der sich Python und Beute nach dem Kampf befanden. Als beide bewegungsunfähig durchs Wasser trieben, biss der Alligator von außen zu. Die Kombination aus Krokodil und Schlange war wohl nicht so lecker – jedenfalls schwamm der unbekannte Dritte wieder weg.

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