Alpträume : Wenn das Monster im Schrank hockt

Eine durchs Fenster scheinende Straßenlaterne und ein Vorhang, der sich gelegentlich bewegt: Fertig ist das Gespenst. Viele Kinder haben Angst vor dem Einschlafen - aus Furcht vor Alpträumen. Was kann man dagegen tun?

Carina Frey[dpa]
071121alptraum
Es gibt angenehmere Träume. -Foto: ddp

BerlinDas Monster ist hinter ihm her. Der Junge rennt und rennt, doch der Abstand wird immer kleiner, er spürt den Atem seines Verfolgers. Panik packt ihn, ein Schrei, der Junge reißt die Augen auf - und sieht sein Kinderzimmer. Alpträume sind bei Kindern normal, sagen Experten. Wenn sie allerdings sehr häufig auftreten oder das Kind Angst vor dem Einschlafen bekommt, sollten Eltern Hilfe holen.

"Kinder haben mehr Alpträume als Erwachsene", sagt Dieter Kunz, Leiter der Arbeitsgruppe Schlafforschung & Klinische Chronobiologie an der Charité in Berlin. Erst nach der Pubertät würden diese seltener. Ein Grund für das Erleben der schlechten Träume sei, dass das Gehirn bei Kindern noch ausreift: Manche Gehirnareale sind weiter entwickelt als andere, dadurch kommt es zu einem Ungleichgewicht. Auch genetische Faktoren spielen bei der Entstehung von Alpträumen eine Rolle, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Berlin.

40 Prozent der Neunjährigen haben gelegentlich Alpträume

Bei einer Erhebung der Kinderklinik Köln-Porz gaben vier Prozent der Neunjährigen an, häufig Alpträume zu haben, 40 Prozent litten gelegentlich unter ihnen. Jedes zweite Kind wird dabei verfolgt - von Menschen, Tieren oder Fantasiefiguren, 20 Prozent haben Angst um nahestehende Personen, sagt der Chefarzt der Klinik, Alfred Wiater. Zwar werden Träume dadurch beeinflusst, was Kinder tagsüber erleben oder zumindest durchdenken. "Das wird aber stark durcheinander gewürfelt", erklärt Kunz. "Eine Traumdeutung ist eher nicht möglich."

Tappt das Kind nach einem Alptraum in das elterliche Schlafzimmer, reichen meist tröstende Worte. "Wenn es Angst hat, kann es nicht wieder einschlafen", sagt Michael Schredl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Das Gespräch über den Traum habe jedoch Zeit bis zum nächsten Tag.

Kinderzimmer sollten zum Einschlafen möglichst dunkel sein

Kinder können bereits Licht- und Schattenspiele, wie sie beispielsweise durch einen Vorhang hervorgerufen werden, als sehr bedrohlich empfinden und dadurch Alpträume bekommen. Grundsätzlich sollte das Kinderzimmer möglichst dunkel sein. Denn Licht fördert das Aufwachen, erklärt Dieter Kunz. Allerdings fürchten sich manche Kinder vor der Dunkelheit. "Dann können Sie die Tür anlehnen oder ein ganz kleines Licht einschalten."

Kinder können sich in der Regel an ihre Alpträume erinnern - und Eltern sollten sich diese erzählen lassen. Doch viele Alpträume bekommen Eltern gar nicht mit. "Offensichtlich erzählen die Kinder nicht in dem Ausmaß davon, wie sie stattfinden", sagt Wiater. Häufen sich die Alpträume über eine längere Zeit, sollten sich Eltern Rat holen. "Wenn ein Kind drei Wochen lang drei Mal pro Woche Alpträume hat, muss man dem nachgehen", sagt Wiater. Denn sonst kann sich schnell ein Kreislauf entwickeln: Das Kind hat Angst vor dem Einschlafen aus Furcht vor den Alpträumen, sagt Schredl.

Informationen: Die DGSM hat eine Broschüre zu Alpträumen zusammengestellt. Sie kann im Internet heruntergeladen werden unter www.charite.de.

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