Welt : Als erstes die Haare gewaschen

GENF .Die Ballonfahrer Bertrand Piccard und Brian Jones sind einen Tag nach dem Ende ihrer spektakulären Erdumrundung am Montag in Genf triumphal empfangen worden.Tosender Applaus, Hurrarufe und Trompetenfanfaren schlugen den Abenteurern entgegen, als die Sondermaschine aus Kairo am Mittag das Rollfeld ansteuerte.Richard Branson, der britische Millionär, der mehrmals selbst vergeblich versucht hatte, im Ballon um die Welt zu fliegen, wartete mit einer Magnumflasche Sekt auf die Rückkehrer.

Arm in Arm und in Siegerpose zeigten sich die Ballonfahrer Minuten später winkend in der Flugzeugtür.Tausende von Zuschauern warteten mit Plakaten und Transparenten auf dem Rollfeld, das ausnahmsweise freigegeben war.Die Stimmung glich der in einem Fußballstadion nach dem entscheidenden Tor."Das sind doch Helden, und Helden gebührt ein triumphaler Empfang", meinte eine Frau.

"Einen phantastischeren Empfang hätten wir uns nicht vorstellen können", sagte Jones gerührt."Mein Herz schlug während der Fahrt mehrmals schneller, aber nie so schnell wie hier bei unserer Ankunft."

Piccard und Jones hatten nur wenige Stunden Schlaf seit dem Ende ihres 20tägigen Abenteuers.Sie waren am Sonntag morgen nach der Weltumrundung in der ägyptischen Wüste gelandet.Sieben Stunden mußten sie auf einen Hubschrauber warten."Wir stiegen aus der Kapsel und fanden uns auf diesem riesigen Plateau wieder.Nach den drei Wochen in der engen Kapsel schien es uns völlig angemessen, daß wir in dieser riesigen Wildnis völlig allein waren", erzählte Jones."Dann packten wir die letzten Wasserflaschen aus und wuschen uns als erstes die Haare", erzählte Jones.Die Strapazen der vergangenen drei Wochen waren ihnen in Genf kaum anzumerken.

"Es war der Triumph eines Traums", meinte Piccard."Es ist wunderbar, Träume zu haben, aber man braucht auch jede Menge Ausdauer und Beharrlichkeit." Der Moment, an dem der Ballon am Samstag die Ziellinie über Westafrika fuhr, wird Brian Jones am eindrücklichsten im Gedächtnis bleiben, erzählte er in Genf.In dem Augenblick hatten Piccard und Jones geschafft, woran 17 Teams vor ihnen gescheitert waren: die Weltumrundung im Ballon ohne Zwischenlandung.

"Der beste Moment war der zwischen dem Start und der Landung", sagte Piccard fast schwärmerisch.Dem Psychiater aus Lausanne stand die Freude über das bestandene Abenteuer ins Gesicht geschrieben."20 Tage Leidenschaft und Emotionen, wunderbare Ausblicke, selbst den schlimmsten Momenten ließ sich etwas Wunderbares abgewinnen", meinte er.

Piccard sprach von einer "unsichtbaren Hand", die den Ballon durch Gewitter und Flauten in Richtung Ziellinie gezogen habe.In dem Moment versagte den beiden Luftfahrtpionieren, die fast drei Wochen konzentriert in einer hochtechnologisierten Kapsel gearbeitet hatten, die Stimme.Sie wischten Tränen fort."Wir haben drei Wochen jede Gefühlsregung miteinander geteilt, jetzt gehen die Emotionen mit uns durch", meinten sie einstimmig.

Piccard und Jones wollen mit dem Geld, das ein amerikanisches Brauhaus für den Rekord ausgelobt hatte, eine Stiftung gründen.Die Hälfte der Million Dollar sollte nach dem Willen der Brauerei für wohltätige Zwecke gestiftet werden."Als wir da oben in unserem Paradies über der Erde fuhren, wurde uns bewußt, daß unter uns kein Paradies ist.Kriege und Ausbeutung, Schmerz und Leiden, wir wollen etwas tun, damit die Welt ein besserer Ort wird", sagte Piccard.

Die Kabine des "Breitling Orbiter 3" kommt ins Museum.Welches es sein wird, ist noch nicht bekanntgegeben worden.

Ballonwettrennen geplant

Als nächstes Ballonabenteuer ist ein Wettrennen geplant, hieß es bei der Crew von Piccard.Auch Branson äußerte sich in diesem Sinne.Alle Teilnehmer sollen am gleichen Ort starten.Gewonnen habe, wer nach erfolgter Weltumrundung als erster den Längengrad des Startortes passiert oder am weitesten kommt.Der Zeitpunkt ist unklar.Es wird mit einigen Jahren Vorbereitung gerechnet.

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