Welt : Alte Verdunster zählen nicht mehr

Die Übergangsfrist für vor dem 1. Juli 1981 installierte Heizkostenverteiler läuft Ende des Jahres ab.

Valerie Schönian
Heizkörper können auch als Raumteiler dienen – wie der Hersteller Zehnder hier zeigt. Gebäudeeigentümer oder Wohnungseigentümer sind in der Pflicht, in den nächsten Monaten die alten Heizkostenverteiler erneuern zu lassen. Foto: Zehnder Group Deutschland GmbH/dpa
Heizkörper können auch als Raumteiler dienen – wie der Hersteller Zehnder hier zeigt. Gebäudeeigentümer oder Wohnungseigentümer...Foto: dpa-tmn

Unscheinbar hängen sie an den Heizkörpern der meisten Mietshäuser, meist genau in der Mitte. Einige mit digitaler Anzeige, andere sehen mit ihren Röhrchen wie ein Thermometer aus Die meisten von ihnen sind angeschweißt, manchmal werden sie verschraubt. So oder so ist es ziemlich unmöglich sie zu verrücken: Die Heizkostenverteiler sind eine feste Größe mit kleinen Ausmaßen. Selten wird ihnen Aufmerksamkeit geschenkt, nur einmal im Jahr, während der Jahresverbrauchsablesung oder bei Mieterwechseln. Dabei sind sie wichtiger Konstanten des Energieeinsparungsgesetzes: Durch sie muss Familie Schmidt, die im Winter vorbildlich Pullis trägt, weniger zahlen, als Familie Müller, die auch in der kalten Jahrezeit die Heizung auf voller Power laufen lässt.

Die Heizkostenverteiler machen es möglich, Heiz- und Wärmekosten eines Mietshauses anteilig nach der Zahl und Größe der Wohnungen zu verrechnen. Die Mieter können ihre Kosten also senken, indem sie weniger Energie verbrauchen. Das soll zu einem bewusstem Umgang führen: „Durch die verbrauchsabhängige Abrechnung kann der Energieverbrauch um durchschnittlich zwanzig Prozent gesenkt werden, in neuen Gebäuden erheblich mehr“, sagt Christian Sperber, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung. Damit das möglichst genau funktioniert, legt die Novellierung der Heizkostenverordnung von 2009 fest, dass veraltete Heizkostenverteiler umgerüstet werden müssen. Das betrifft alle Geräte, die vor Juli 1981 installiert wurden: Sie verlieren am 31. Dezember dieses Jahres endgültig ihren Bestandsschutz. Deutschlandweite Zahlen, wie viele Wohnhäuser das noch betrifft, gibt es nicht. „Für die von uns abgelesenen Heizkostenverteiler liegen wir bei einem vergleichsweise geringen Anteil von rund 3,5 Prozent“, erklärt Ute Ebers, Sprecherin des Energiedienstleisters Techem.

Der Gebäudeeigentümer oder die Eigentümergesellschaften sind für Umrüstungen verantwortlich. Passiert das nicht, sind die Abrechnungen ab 1. Januar 2014 durch Mieter angreifbar. Der Eigentümer trägt grundsätzlich die Kosten für die Umrüstung. Wurden die Geräte allerdings bei einer Ablesefirma gemietet, können die Kosten auf die Mieter umgelegt werden, erklärt Dietmar Wall, zuständiger Jurist für Betriebs- und Heizkosten beim Deutschen Mieterbund. Hatte der Vermieter bisher ein gekauftes Gerät und will jetzt eines mieten, müssten die Mieter informiert werden. „Sie können dann binnen eines Monats Einspruch erheben.“ Gleiches gilt, wenn der Vermieter ihrer Meinung nach zu teure Verteiler gekauft hat. Die Preise variieren zwischen fünfzig und 500 Euro, so Wall. „Es kommt eben darauf an, was man möchte.“

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Heizkostenverteilern. Die ältere Variante hat ein oder mehrere Röhrchen und funktioniert nach dem Verdunstungsprinzip. Die moderneren elektronischen Heizkostenverteiler arbeiten mit einem integrierten Temperaturfühler und zeigen die Einheiten auf einem digitalen Display an. Einheiten sind die relativen Werte, die die Erfassungsgeräte ermitteln. Im Gegensatz zu Messgeräten messen sie nicht direkt den Verbrauch. Der ergibt sich erst aus einer Rechnung, nachdem man auch die Einheiten der anderen Parteien im Haus kennt, erklärt Wall: „Ein theoretisches Beispiel: Werden in einem Mietshaus insgesamt 100 000 Einheiten gemessen und 1000 davon in meiner Wohnung, liegt mein Anteil an den Gesamtkosten des Hauses bei einem Prozent. Das ergibt einen Betrag von hundert Euro.“ Bei den Preisen für die Umrüstung gibt es eine große Bandbreite, so Wall. Geht man von einem Gebäude mit zehn Wohnungen zu je fünf Geräten ohne Funk aus, die 30 Euro je Gerät kosten, so komme man auf 2000 Euro. Denn zu den Gerätkosten kämen 500 Euro für die Demontage der alten und Montage der neuen Heizkostenverteiler hinzu. Auch der Funk, sowie dessen Montage, koste extra. Das könnten bei 50 Geräten etwa 500 Euro sein, sei aber auch variabel, erklärt der Jurist. „Hinzu kommen die jährlichen Kosten für die Erstellung der Abrechnung sowie für die Ablesung bei Geräten ohne Funk.“

Die Heiz- und Wärmekosten werden nicht komplett verbrauchsanteilig berechnet, sondern nur zu fünfzig bis siebzig Prozent. „Wie das aufgeteilt ist, sollte vom Zustand des Gebäudes abhängen“, sagt Wall. Bei älteren Häusern, die Energie durch schlechte Dämmung verlieren, sei es sinnvoll den Verbrauchsanteil niedrig – auf fünfzig Prozent – festzulegen. „Denn dort können die Mieter den Energieverbrauch nicht so stark beeinflussen.“ Die Novellierung der Heizkostenverordnung lege aber fest, dass siebzig Prozent Verbrauchskostenanteil auch verpflichtend seien, wenn das Gebäude nicht die Anforderungen der Wärmeschutzverordnung von 1994 erfülle, also schlecht gedämmt sei, es außerdem mit einer Öl- oder Gasheizung versorgt werde und die freiliegenden Heizleitungen überwiegend gedämmt seien. „Da ist der Bundesregierung, die die Verordnung erstellt hat, ein grobes Missgeschick unterlaufen“, sagt Wall.

Geht es nach der Novellierung könnten bei der Umrüstung wieder Verdunstungsverteiler eingesetzt werden. Wall rät davon ab: „Die Verdunstungsgeräte gelten heute als veraltet.“ Zwar seien sie preiswerter als die elektronische Variante. „Aber sie sind ungenauer und unzuverlässiger.“ Sie besitzen nur hundert Einheiten, ihr modernes Pendant bis zu 10 000. Ein weiterer Vorteil: „Die Mieter können die Einheiten bei den elektronischen Verteilern selbst ablesen." Sie zeigen nicht nur die aktuellen Einheiten an, sondern auch die des vergangenen Jahres. So könnten die Mieter ihren Verbrauch vergleichen.

Was Vorteile hat, kann auch Nachteile mit sich bringen: Weil die Mieter die elektronischen Verteiler selbst ablesen können, sind die Ablesefirmen nicht mehr verpflichtet das Ableseprotokoll zu übergeben. „Mieter sollten sich daher die Verteiler bei der Installation erklären lassen“, sagt Erhard Bülow, Energieberater der Verbraucherzentrale Berlin. Nur so könnten sie die Abrechnung auch kontrollieren. „Die wenigsten Mieter werden automatisch von der Ablesefirma über die Funktion, spezifisch über die angegebenen Werte, informiert.“ Auch Bülow würde die elektronischen Heikostenverteiler empfehlen. Denn bei ihnen ist es möglich einen Funk einzubauen, über den die Ablesefirma die Werte aus einer bestimmten Entfernung messen kann. „Dann müssen Mieter oder Eigentümer nicht in der Wohnung sein, wenn die Heizkostenableser kommen.“

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