Welt : Alternativ essen: Tabus - Warum wir keine Pferde essen

Allein der Gedanke an Pferdefleisch ruft vielerorts Empörung hervor. Dabei besitzt das Fleisch dieser Tiere nicht weniger Nährwert als das vom Schwein. Auch aßen unsere Vorfahren große Mengen Pferdefleisch - bis Papst Gregor III es ihnen im Jahr 732 verbot.

Möglicherweise wollte er damit die heidnischen Bräuche der Pferdeverehrung ausmerzen. Doch dann hätte er das österliche Eiersuchen wohl mit verboten. Der wahre Hintergrund dürfte 732 der Sieg gegen die in Frankreich vorrückenden Araber gewesen sein. Kriegsentscheidend war die Reiterei. Wer aber Rösser verzehrte, schwächte die Kavallerie. Mit Hasen und Hennen war dagegen keine Schlacht zu gewinnen, weshalb die Osterbräuche keinen Papst auf den Plan riefen.

Moslems und Juden enthalten sich des Schweinefleisches. Dies wird hierzulande gern als Bestätigung dafür gewertet, dass Schweinefleisch ungesund sei. Immerhin gilt das Borstenvieh in der Bibel (3. Mose 11) als "unrein" und im Koran (2. Sure, Vers 174) als "verboten". Zur Begründung müssen gewöhnlich die Trichine herhalten.

Auch Rind oder Schaf übertragen gefährliche Krankheiten wie Tuberkulose oder Brucellose. Die Erreger werden beim Braten abgetötet. Wäre es um die Gesundheit gegangen, hätten Jahwe und Allah generell rohes Fleisch verbieten müssen. Eine plausible Erklärung für das Schweinefleisch-Tabu liefert der amerikanische Anthropologe Marvin Harris: Schweine brauchen Wasser, Schatten und Wälder, in denen sie nach Futter suchen. Überall dort, wo es trocken, unbewaldet und heiß ist, gerät das Schwein in direkte Nahrungskonkurrenz zum Menschen.

Ausgrabungen zeigen, dass es im Nahen Osten bis vor 4000 Jahren eine ausgiebige Schweinehaltung gab. Erst nach der Abholzung der Wälder in Ägypten und Mesopotamien erfolgte das Schweinemastverbot. gon

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