Altötting : Besuch von einem alten Freund

Eigentlich könnte der Besuch von Papst Benedikt XVI. für Altötting fast schon Routine sein. Zwei Mal schon haben Oberhäupter der katholischen Kirche den Marienwallfahrtsort besucht.

Altötting - Nach Pius VI. im Jahr 1782 und zuletzt Johannes Paul II. 1980 kehrt nun Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. an den Ort zurück, zu dem er bereits als kleiner Junge gepilgert war und der seine Frömmigkeit offenbar nachhaltig geprägt hat.

"Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn ein deutscher, ein bayerischer Papst nach Altötting kommt", sagt Martha Sanderl, die sich schon zur Morgendämmerung auf dem zentralen Kapellplatz eingefunden hatte. Noch um Mitternacht hatten hier nur Sicherheitsbeamte und Polizisten ihre Runden zwischen den zahlreichen Absperrgittern gedreht. Doch drei Stunden vor der Ankunft des Papstes verwandelte sich das verwinkelte Stadtzentrum in ein organisiertes Durcheinander, in dem Ordensschwestern, Trachtengruppen, Pfadfinder und andere Pilger nach einem schwer durchschaubaren Plan unterwegs waren. Als gegen 9 Uhr der Zugang zur Innenstadt nur noch in Ausnahmefällen möglich ist, haben offenbar alle tatsächlich ihren Platz gefunden. 40.000 Gläubige sollen es nach Angaben der Polizei auf dem Kapellplatz sein, weitere 20.000 in der restlichen Innenstadt.

Auch am dritten Tag seines Bayern-Besuchs bleiben Benedikt XVI. das spätsommerliche Wetter und der blaue Himmel treu. "Alles andere wäre aber auch peinlich für Altötting gewesen", sagt einer der Ordner am Kapellplatz. Für den hohen Gast hat sich die ostbayerische Kleinstadt hübsch gemacht. Die Balkons im Stadtzentrum wurden mit roten Bordüren verziert, viele Fenster mit Kerzen geschmückt. Immer wieder sind Bilder des Kirchenoberhaupts zu sehen. "Das gehört sich so, wenn der Papst kommt", meint eine ältere Frau, die ihr Fenster noch kurz vor der Ankunft von Benedikt XVI. auf Hochglanz polierte.

Hoffen auf wirtschaftlichen Rückenwind

Nach Angaben des Bistums Passau kommen jährlich eine Million Marienpilger nach Altötting. Ein Blick in die Pilgerbücher gibt einen Eindruck von den Sorgen der Menschen. Seit über fünf Jahrhunderten sind es immer wieder die Bitten um Heilung von schweren Krankheiten, um Beistand bei Liebeskummer und in schweren Lebenskrisen. Seit einigen Jahren häufen sich auch die Klagen über materielle Not, die Wünsche um Rettung der Firma und die Sicherung des Arbeitsplatzes.

"Das wäre schon nicht schlecht, wenn der Papst auch zur Wirtschaftskrise etwas sagen würde", sagt eine Passantin, die entlang der Strecke des Papamobils wartet. Altötting lebt von den Pilgern, und so mancher Gastronom hofft auf ein einträgliches Geschäft durch den Papstbesuch. Etliche Gaststätten haben von Sonntagmorgen bis Montagabend durchgehend geöffnet. "Ich habe Vorräte für bis zu 5000 Gäste gebunkert", sagt Gastwirtin Marianne Wolf, obwohl sie beim letzten Papstbesuch 1980 auf ihrem Essen sitzen geblieben ist: "Keinen einzigen Gast hatte ich gehabt. Die Leute haben sich alle selbst ihre Brotzeit mitgebracht." Also kann es jetzt nur noch besser werden.

Altöttings Verkehrsdirektor Herbert Bauer bleibt jedenfalls gelassen: "Wir machen das ja nicht zum ersten Mal". Und womöglich auch nicht zum letzten Mal. "Vielleicht kommt der Heilige Vater ja noch einmal wieder, so rüstig und gut beieinander wie er ist", hofft Martha Sanderl. (Von Markus Peters, ddp)

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