Welt : Am besten kussfrisch

Mundgeruch verprellt Partner und Kollegen. Und niemand sagt es einem. Dabei ist es so leicht, ihn loszuwerden

Andreas Oswald

Er ist schlimmer als Hämorrhoiden, schlimmer als Ausfluss: Mundgeruch. Männer, die aus dem Mund stinken, werden von Frauen gemieden. Kollegen vermeiden das Gespräch und auch Freunde halten lieber Abstand. Dabei ist Mundgeruch in den meisten Fällen ganz leicht zu beheben.

Das Gemeine am Mundgeruch ist: Niemand sagt es dem Betroffenen. „Das ist ein Tabu“, sagt Götz Lösche, Experte an der Charité. Die Betroffenen selbst merken es nicht. Sie haben sich an ihren Geruch gewöhnt.

Ein ganz anderes Thema ist die Angst vor Mundgeruch. Davon leben Industrien wie Fisherman’s Friend. Tatsächlich ist es sinnvoll, eine solche Tablette in den Mund zu nehmen, bevor ein Mann sich einer Kollegin nähert. Aber die Ursache des Mundgeruchs ist damit noch nicht beseitigt.

Die Zunge bürsten

Der Kampf gegen Mundgeruch hat Hochkonjunktur. In Boulevardblättern werben Hersteller mit Zungenbürsten. Das Internet ist voll von Tipps. Vor allem in den USA können Ärzte sehr viel aggressiver damit werben, Experten für Mundgeruch zu sein.

Nicht nur Zahnärzte werden von ängstlichen Patienten aufgesucht. Viele lassen sich gerne quälen und einen Schlauch in den Magen drücken. Aber das muss nicht am Anfang der Mundgeruchbekämpfung stehen. Mundgeruch heißt deshalb Mundgeruch, weil der Mund riecht, nicht weil der Magen riecht. Sonst hieße es Magengeruch.

Etwa 70 Prozent derjenigen, die starken Mundgeruch haben, haben ein Problem im Mund, teilt der Zahnarzt Benno Raddatz aus Durmersheim auf seiner Website mit. Er nennt seine Zahnarztpraxis „Mundgeruch-Praxis“ und ist damit einer der Pioniere des neuen Trends.

Ursache des Mundgeruchs sind Bakterien, die die Nahrung zwischen den Zähnen sowie den Pilzbelag zersetzen. Dabei entstehen Schwefelverbindungen und andere Gase, die so übel stinken.

Was hat Vivian Leigh gelitten. Clark Gable soll in der berühmtesten Kussszene der Filmgeschichte übel gerochen haben, weiß der „Spiegel“. Auch Adolf Hitler soll schrecklich aus dem Mund gerochen haben.

Die Bakterien nisten vor allem in den Zahnzwischenräumen. Und auf der Zunge. Es ist der hintere Teil der Zunge, der unsichtbare, auf dem der meiste Pilzbelag liegt. Auf ihn stürzen sich die Bakterien. In der Regel ist der Belag weißlich, bei Rauchern leicht gelblich. Auf der Zunge können sich die Bakterien tief einnisten.

Wer seinen Mundgeruch bekämpfen will, steht vor einem Dilemma. Wer seine Bakterien killt, sei es durch Antibiotika, die er sich wegen Mundgeruchs verscheiben lässt, sei es durch täglichen Gebrauch von antibakteriellen Mundwassern über einen längeren Zeitraum hinweg, der verschafft dem Pilzbefall in seinem Mund freie Bahn, weil der Pilz nicht mehr von den Bakterien bekämpft werden kann.

Die Kunst besteht also darin, ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen dem Pilzbefall, den niemand will, und dem Bakterienbefall, der den Mundgeruch verursacht – und das auf möglichst niedrigem Niveau.

Experten empfehlen einige ganz einfache Mittel, die manchem nicht unbekannt sind:

Erstens: Zweimal täglich Zähne putzen. Damit werden Bakterien und Nahrungsreste beseitigt.

Zweitens: Täglich mit Zahnseide die Zahnzwischenräume säubern.

Drittens: Einmal täglich die Zunge säubern. Dabei wird der größte Teil des Pilzbelags mit den Bakterienkulturen mechanisch entfernt.

Viertens: Viel Wasser trinken und für ein paar Minuten Kaugummi kauen. Das fördert den Speichelfluss.

Wer nach einer Woche mit diesen Maßnahmen immer noch stark aus dem Mund riecht, der sollte zunächst einen Zahnarzt und gegebenenfalls einen HNO-Arzt aufsuchen, weil dann andere, schwerere Ursachen in Betracht kommen, die mit Zahnfäulnis oder Rachen und Magen zu tun haben.

Wie reinigt man die Zunge? Wer mit der Zahnbürste versucht, im hinteren Teil der Zunge herumzustochern, bekommt möglicherweise Brechreiz. Ein Schlager in den Apotheken sind Zungenbürsten aller Art. Man führt sie nach hinten und zieht sie auf der Zunge nach vorne. Da sie flach sind, bleibt unangenehmes Würgen aus.

Bleibt vielleicht ein gewisser Ekel, den Pilzbelag von hinten nach vorne zu ziehen und zu entfernen. Aber das ist eine Sache der Gewöhnung. Männer könnten sich die Vorteile klarmachen, die genauso wie für tägliches Duschen gelten: Frauen – oder andere Männer – fühlen sich weniger abgeschreckt.

Weitere Informationen im Internet:

www.kzbv.de/m41.htm?/gesauf/tipp/tipp3.htm

www.charite.de/praevmed/patient/Halitosis/halitosis.html (die Charité bietet eine Mundgeruch-Sprechstunde an, die aber nur sinnvoll ist, wenn Zahn- und Zungenpflege sich als wirkungslos erwiesen haben)

www.mundgeruch-experte.de/mundgeruch.htm

www.bnv-son.de/zahnarzt.dr.koch/aktuell.htm

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