Welt : Am Boden zerstört

Fünf Menschen sterben, als ein Teil des neuen Terminals auf dem Flughafen Charles de Gaulle einbricht

Sabine Heimgärtner

Paris - Noch Stunden nach dem Absturz eines Teils des neuen Terminals auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle glich die Unglücksstelle dem Schauplatz eines Erdbebens. Ahnungslos ankommenden Passagieren bot sich ein Bild des Grauens: Riesige Beton- und Stahlteile, bedeckt von Glastrümmern, Teile von Autowracks, die die tonnenschweren Gebäudebrocken unter sich begraben hatten, dazu der Lärm der Sirenen hunderter von Krankenfahrzeugen und Feuerwehreinsatzwagen.

Sonntagmorgen 6.55 Uhr. Augenzeugen, die in der Halle des Terminal 2E auf ihren Abflug nach Prag, Johannesburg, New York und Chicago warteten, berichteten später, sie hätten ein „Knistern und Knacken" gehört. „Sekunden später rieselte Betonstaub aus der Decke, ein unglaublicher Knall, ich weiß nur noch, dass ich um mein Leben nach draußen auf den Parkplatz rannte", erzählte eine Frau, die in den frühen Morgenstunden nach Prag aufbrechen wollte. „Wenige Meter hinter mir Schreie, das Gebäude war wie ein Kartenhaus zusammengekracht.“ Vorläufige Bilanz der Katastrophe: mindestens fünf Tote.

Ob sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden, war bis Sonntagnachmittag nicht bekannt, ebenso wenig, wieviele Wartende sich zum Zeitpunkt des Unglücks in der Halle befanden. Blitzschnell machten auf dem gesamten Flughafengelände Gerüchte die Runde, es handle sich um einen terroristischen Anschlag. „Die Anzeigetafeln der Flüge im Terminal 2E zeigten plötzlich ,Annulliert’ an und die Umstehenden berichteten aufgerecht, die in Scharen eingetroffenen Polizisten und Soldaten suchten nach weiteren Bomben.“ Diese Vermutungen haben sich aber bislang nicht bestätigt.

Verkehrsminister Gilles de Robien, der umgehend eine Untersuchungskommission einberief, betonte, es gebe keine Hinweise auf ein Attentat. Nach ersten Ergebnissen brach ein 30 mal 20 Meter langer Röhrenteil, durch den die Passagiere laufen, komplett herunter. Zehn Minuten später trafen die ersten Sicherheitskräfte ein, 250 Feuerwehrleute und hunderte Sanitäter. Der Unfallort wurde umgehend gesperrt, die Bergungsarbeiten liefen auf Hochtouren, zunächst mit dem Hauptziel, möglicherweise Verschüttete zu retten. „Eine äußerst komplizierte Operation, weil durch die Trümmer der Zugang zum Unfallort erschwert ist“, sagte Innenminister Dominique de Villepin vor den laufenden Fernsehkameras. Hinter ihm klafft ein riesiges Loch zwischen den beiden Nachbar-Terminals. Die Abfertigungshalle 2E gibt es in ihrer bisherigen Form nicht mehr.

Über die Nationalität der Opfer war zunächst wenig bekannt. Flughafenangestellte teilten mit, bei einem der Verletzten handele es sich um einen Chinesen, der andere komme aus dem westafrikanischen Elfenbeinküste. Ob die Konstruktion des Gebäudes Fehler aufwies, soll jetzt eine 15köpfige Spezialistengruppe aufklären.

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