Welt : Am Rhein entlang

Heute steigt der Strom in Karlsruhe fast auf sein Jahrhunderthoch – was die Ursachen sind

In Karlsruhe soll heute Mittag der Pegel des Rheins mit 840 oder 850 Zentimetern nur knapp unter den 874 Zentimetern des Rekordhochwassers von 1999 liegen, sagen die Experten. Auf Deutschland kommt also noch einiges zu. „Das Hochwasser kommt aus der Schweiz“, erklärt Peter Hörter vom Hochwassermeldezentrum Rhein in Mainz. Warme Luft hatte viel Wasser aus dem Mittelmeerraum aufgenommen und als Dauerregenfälle am Mittwoch im Einzugsgebiet des Flusses Aare im Norden der Schweiz abgeladen. Die Hochwasserwelle dieses Flusses schoss später bei Waldshut mehr als 50 Kilometer flussabwärts vom Bodensee in den Rhein. Als der Dauerregen aber in Richtung Frankreich abzog, fielen schon am Donnerstag die Pegelstände an der Aare ähnlich rasch wieder wie sie vorher angestiegen sind. Dafür meldete der Rhein unterhalb der Aare-Mündung stündlich höhere Wasserstände, ein Jahrhunderthochwasser schwappte in Richtung Basel und Karlsruhe.

An vielen Stellen trat der Fluss über die Ufer, überschwemmte Felder und Straßen. Im Hochwassermeldezentrum Rhein in Mainz rechnete Peter Hörter inzwischen Niederschläge in Wasserstände um. Bevor heute Mittag der Scheitel des Hochwassers mit 840 Zentimetern Karlsruhe erreicht, wird in diesem Rhein-Abschnitt die Schifffahrt längst eingestellt.

Der Hoch- und Oberrhein bekommt so seit 1999 bereits das zweite Jahrhunderthochwasser in nur acht Jahren ab. „Überhaupt war der Sommer 2007 bisher recht feucht, in Karlsruhe wurden in diesem Jahr schon öfter Pegelstände von sechs oder sieben Metern gemessen“, erzählt der Hochwasserexperte.

Für die Rhein-Anwohner unterhalb von Mannheim aber hat Peter Hörter eher beruhigende Nachrichten: „Neckar und Main haben zwar höhere Wasserstände als normal, gerade der Main könnte auch noch weiter steigen, weil es im Einzugsgebiet noch immer regnet.“ Weil für diese beiden Nebenflüsse aber zurzeit kein starkes Hochwasser erwartet wird, werden sie die Fluten im Rhein nicht dramatisch weiter steigen lassen. Im Main braucht ein hoher Wasserstand normalerweise ohnehin fast eine Woche, bis er die Mündung bei Mainz erreicht. Bis dahin aber ist die aktuelle Hochwasserwelle des Rheins längst im Meer gelandet. Daher sieht Peter Hörter die Lage unterhalb von Mannheim, wo der Neckar in den Rhein mündet, recht entspannt. Dort wird das Jahrhundert-Hochwasser vom Hoch- und Oberrhein also nur als normales Hochwasser durchlaufen. Katastrophen werden dort genauso wenig wie unterhalb von Mainz erwartet, wo sich das Hochwasser dann zu einem „erhöhten Wasserstand“ verlaufen wird. Noch ein wenig flussabwärts ist die Lage dann in Koblenz an der Mündung der Mosel in den Rhein wirklich entspannt. Normalerweise benötigt ein Hochwasser vom Oberrhein 48 Stunden, bis es die Stadt erreicht, und sollte also am Samstag dort eintreffen. Für den Samstagvormittag aber lauten die Prognosen für den Pegelstand des Rhein in Koblenz auf 370 bis 380 Zentimeter. Da Schiffe dort noch bis zu einem Pegel von 650 Zentimetern fahren dürfen, kann für den Niederrhein – das gilt dann vor allem auch für das oft bedrohte Köln – beinahe Entwarnung gegeben werden.