Welt : Amerika leidet: Jetzt brennt es

3000 Feuerwehrleute kämpfen in Kalifornien gegen eine 24 Kilometer lange Feuerwand

Christoph von Marschall[Washington]

In Kalifornien breiten sich seit Tagen intensive Waldbrände aus. Sie sind schon in den Vororten von Los Angeles, und nicht nur dort. So sieht es aus: Nach dem Wasser bedroht nun Feuer Amerika. 500 Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen und in Sicherheit gebracht werden. Schulen wurden geschlossen und Straßen gesperrt. Am Freitag standen auf einer Länge von 24 Kilometern mehr als 17 000 Acres (rund 70 Quadratkilometer) unter Feuer und wurden durch warme Herbstwinde, vor allem den typischen „Santa-Ana-Wind“, weiter angefacht. 3000 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um zu verhindern, dass die Flammen den viel befahrenen Highway 101 überspringen oder sich in das dicht besiedelte Simi Valley ausbreiten. 2000 Häuser, darunter viele Luxusvillen, waren von den Flammen bedroht.

Nur zwanzig Prozent der Brandfront konnten eingedämmt werden. Drei Kilometer hoch reichten die Rauchwolken. Für das Wochenende sind kühlere Temperaturen angesagt, darauf richten sich nun die Hoffnungen. „Wenn der Santa Ana so weiter bläst, wie die Hurrikans einer auf den anderen folgten, dann wird es düster“, sagte David Hillman, Chef von Kaliforniens Forst- und Feuerschutzbehörde.

Großflächige Waldbrände sind im Westen der USA nichts Ungewöhnliches, besonders im Spätsommer und Herbst, wenn Boden und Gehölz ausgetrocknet sind. 2004 wurden rund 62 000 Wald- und Flächenbrände auf einer Fläche von 1,4 Millionen Acres (570 Quadratkilometer) verzeichnet – was als unterdurchschnittlich galt.. Lediglich Alaska erlebte 2004 die schlimmste Saison seiner Brandgeschichte mit rund zwei Millionen Acres (7000 Quadratkilometer).

In den unter Naturschutz stehenden Wäldern gelten Brände inzwischen als Selbstregelungsmechanismus, den das Eingreifen des Menschen nur stört. Wer Brände verhindere oder vorzeitig beende, lasse zu, dass sich unnatürlich viel Unterholz und anderer Brennstoff bilde, was dann zu unkontrollierbaren Großfeuern führe – die Kritik der Naturschützer richtet sich auch gegen die kommerzielle Waldwirtschaft, die ausgewachsene, widerstandsfähige Stämme schlage und dann deren Abfälle wie Rinde und Äste sowie kleinere Bäume zurücklasse. Zwischen Umweltschützern und der Bush-Regierung tobt ein Streit um die „Gesunder Wald“-Initiative des Präsidenten, die auf Eingriffe zur Brandprävention setzt. Unstrittig ist dabei, dass die Beseitigung von brennbarem Material in Siedlungsnähe zur Vorsorge gehört – Naturschützer finden das aber meilenweit entfernt von Häusern, mitten im Wald, nicht sinnvoll.

Bei den aktuellen Bränden um Los Angeles beklagt die Feuerwehr, dass die Anwohner es versäumt haben, alle Gewächse in Hausnähe zu beseitigen. Nicht nur die sommerliche Trockenheit hätte die Feuer begünstigt, sondern ebenso die überdurchschnittlichen Regenfälle des vergangenen Winters: Sie haben die Vegetation verstärkt.

Jeff und Carole Ebert, die aus Ventura County fliehen mussten, vertrauen darauf, dass ihr Haus verschont bleibt. In einem aber fühlen sie sich wie die Hurrikan-Opfer: „Wir müssen abwarten. Und wir wissen nicht, wie lange es dauert.“

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