Welt : Amoklauf an kanadischer Schule

Täter schoss mit Kalaschnikow um sich und tötete eine Schülerin. Er wurde von der Polizei erschossen

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Montreal - Ein Amokläufer hat im kanadischen Montreal in einer Schule ein Blutbad angerichtet. Der Täter schoss in einem College wild um sich und tötete eine 20-jährige Frau. 19 weitere Menschen wurden verletzt. Über die Motive des Mannes – ein junger Kanadier mit Irokesenhaarschnitt und schwarzem Trenchcoat – herrschte am Donnerstag noch Unklarheit. Es gebe keinerlei Hinweise, dass es sich um eine rassistisch motivierte Tat oder einen Terrorakt handele, sagte Montreals Polizeichef Yvan Delorme. Der Schütze sei ein Einzeltäter gewesen und habe drei Waffen bei sich gehabt. Er wurde von der Polizei erschossen.

„Wir hatten Unterricht, als wir Schüsse hörten, dann schrien Mädchen“, berichtete der 17-jährige Schüler Daniel Harrosh. „Irgendwann gingen die Lichter aus und wir hörten Schüsse, vielleicht zwölf. Der Lehrer schloss die Tür und sagte, dass etwas Schlimmes passiere.“ Das betroffene Dawson-College wird von rund 10 000 Schülern besucht, die sich dort auf ein Hochschulstudium vorbereiten. Der Täter habe das Feuer am Mittwoch gegen Mittag eröffnet. Er habe mit einer Kalaschnikow wild um sich geschossen. Von den 19 Verletzten schwebten am Donnerstag fünf in Lebensgefahr. Einige der Verletzten kamen bei der entstehenden Panik zu Fall und wurden überrannt.

Die Polizei war nur drei Minuten nach Beginn der Schießerei am Tatort. Sie durchkämmte nach dem Tod des Täters drei Stunden lang die Schule auf der Suche nach möglichen Komplizen, fand aber keine Anhaltspunkte auf Mittäter. Der Amoklauf sorgte für Chaos im Zentrum von Montreal. Zahlreiche Schüler flohen vom College-Gelände, eine benachbarte Kindertagesstätte und ein Hochhaus wurden evakuiert. Die Polizei sperrte Straßen und eine U-Bahn-Station an der Schule.

Nach dem Amoklauf sitzen die Schüler noch stundenlang vor dem Gebäude und sprechen einander Trost zu. Sie stehen vor der Schule, haben Tränen in den Augen, und können es nicht fassen. Die Schüler und Lehrer suchen Schutz in dicht gedrängten Grüppchen oder in fester Umarmung. „So was kann doch in Montreal nicht passieren, das ist ja wie in den USA“, schluchzt eine Schülerin.

Während die Schülerinnen und Schüler um Trost ringen und mit ihren Handys ihre Familien und Freunde anrufen, kreisen über dem weiträumig abgesperrten Schulgebäude immer noch Hubschrauber. Mehrere Stunden durchsuchte die Polizei jedes Klassenzimmer und jede Abstellkammer, nachdem zunächst von mehreren Tätern die Rede war. Endlich kommt die Entwarnung: Der Mann, der in einem minutenlangen Schusswechsel von der Polizei erschossen wurde, habe allein gehandelt, versichert die Polizei.

Bis diese Gewissheit herrschte, saßen dutzende Schüler in ihren verbarrikadierten Klassenräumen. „Zweieinhalb Stunden lang“, berichtet die 19-jährige Roxanne Michaud. „Wir konnten nicht telefonieren, die Handys funktionierten nicht, da haben wir versucht über Radio und Internet zu verfolgen, was passierte.“ Als die Polizei grünes Licht zum Verlassen der Schule gab, herrschte trotzdem Angst. „Die Polizisten haben uns ein Zeichen gegeben, sie haben gesagt, wir können rauskommen und wir sollten schnell laufen“, erzählt eine völlig aufgelöste Studentin. „45 Minuten lang haben wir Schüsse gehört“, sagt sie nervös.

In Angst und Schrecken begannen die wartenden Schüler ihre Flucht ins Ungewisse. „Es hat Panik gegeben“, räumt Polizeisprecher Ian Lafrenière ein, einige der Verletzten seien nicht dem Schützen, sondern den fliehenden Schülern zum Opfer gefallen. „Da liefen völlig panische Leute herum, am Boden lagen Verletzte“, berichtet der Techniker Mario Boutin, der sich zur Zeit des Amoklaufs in der Nähe aufhielt. Das Dawson-College liegt praktisch im Stadtzentrum Montreals, hunderte Polizisten sperrten das Gebiet um die Schule ab, in der Innenstadt herrschte Verkehrschaos.

Wütender Trotz sprach aus den Worten einer sichtlich erschütterten Lehrerin, die Journalisten und Schaulustigen zurief: „Ich finde das völlig normal, in der gefährlichen Welt, in der wir leben.“ AFP

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