Amoklauf in Ansbach : Täter hasste die ganze Menschheit und die Schule

Hass auf Mitschüler und Lehrer, Angst vor der Zukunft, das Gefühl der Isolation: Ein 80-Seiten-Dokument gibt Aufschluss über die Motive des Amokläufers von Ansbach.

Vier Tage sind seit dem Amoklauf von Ansbach vergangen, bei dem der 18-jährige Täter sein Gymnasium stürmte, einen Lehrer sowie neun Mitschüler mit Molotowcocktails und einer Axt teils schwer verletzte, bevor er von der Polizei mit drei Schüssen gestoppt werden konnte. Nun sprechen die Ermittler erstmals über die Motive des Amokläufers, der bei seiner Tat ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Made in School" getragen hat. Demnach habe ihn der "Hass auf die Menschheit im Allgemeinen und insbesondere auf die Institution Schule" getrieben. Dies sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger am Montag in Ansbach.

Die Ermittler stützen sich dabei auf ein vom Täter zuvor gelöschtes 80-seitiges Dokument, das man durch die Auswertung seines Computers rekonstruieren konnte. Darin berichtet der 18-Jährige einer fiktiven Ansprechpartnerin in der Zeit von April 2009 bis zum 16. September von seinen Planungen für den Amoklauf sowie von seinen Beweggründen.

"Wir wissen nicht, ob diese Person existiert. Er hat diese Person mit einem Namen angesprochen", so Lehnberger. Er habe ihr die Planung der Tat und sein Ziel geschildert, möglichst viele Schüler und Lehrer zu töten und das Schulgebäude niederzubrennen.

Wie Staatsanwalt Jürgen Krach ausführt, habe der Jugendliche bereits im April das Wort "Amok" benutzt, sprach einen Monat von den tatsächlich verwendeten Waffen – eine Axt, Messer und Molotowcocktails – und legte sich wiederum einen Monat später auf seine Kleidung während des Amoklaufs und auf einen konkreten Tatort fest. So habe er sich in dem Schulgebäude die dritte Etage ausgesucht, da es dort die meisten Klassenzimmer gebe.

Der Amokläufer geht in dem Schreiben nicht nur auf die Tat, sondern auch auf seine Gefühlslage ein. So habe er sich ungerecht behandelt gefühlt, ausgegrenzt und nicht anerkannt. Auch habe er Angst vor einer schweren Krankheit gehabt und davor, das Abitur nicht zu bestehen. "Er hätte auch gern eine Freundin gehabt, was ihm nicht gelungen ist", sagte Lehnberger.

Mehrfach und ausdrücklich habe der 18-Jährige betont, seine Eltern seien nicht für die Tat verantwortlich. Er habe nicht mehr leben wollen und einkalkuliert, bei der Tat von der Polizei getötet zu werden.

Weitere Aufschlüsse über seine Motive erhoffen sich die Ermittler von der Vernehmung des Amokläufers, der inzwischen aus dem künstlichen Koma erwacht ist. Bislang konnte der Junge jedoch weder vernommen noch der Haftbefehl gegen ihn eröffnet werden. Der 18-Jährige, so Oberstaatsanwältin Lehnberger, sei noch nicht "ausreichend orientiert" gewesen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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