Amoklauf in den USA : Experte befürchtet Nachahmungstäter

Nach dem Amoklauf an der Universität in der US-Stadt Blacksburg sieht der Psychologe Jens Hoffmann eine große Gefahr von Nachahmungstätern. Die Tat könne Signalwirkung haben.

Darmstadt - Die intensive Beschäftigung mit früheren Anschlägen sei ganz typisch für Menschen, die Derartiges für sich selber in Erwägung ziehen, sagte der Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt.

Ohnehin lebten die Menschen derzeit in einer Hochrisikophase, meinte der Amokexperte und wies auf den Termin des Anschlags hin. "Wir sind jetzt kurz vor dem 20. April, dem Jahrestag von Columbine." Im Jahr 1999 hatten an der High School in Littleton im US-Bundesstaat Colorado zwei Schüler zwölf ihrer Mitschüler, einen Lehrer und dann sich selbst erschossen. Auch der Anschlag am Erfurter Gutenberg-Gymnasium ereignete sich im April: dem 26. im Jahr 2002. Diese Jahrestage seien für die Täter sehr wichtig, meinte Hoffmann.

Es fehlt ein Frühwarnsystem

In Deutschland fehlt nach seiner Ansicht ein professionelles Netz, um potenzielle Amokschützen frühzeitig zu erkennen. Analysen zurückliegender Fälle hätten gezeigt, dass die Täter eine Vielzahl von Signalen an ihre Umwelt gesendet hatten, bevor sie zur Tat schritten. Nach dem Vorbild so genannter Bedrohungsmanager in den USA sollten nach seiner Meinung auch in Deutschland professionelle Ansprechpartner zum Beispiel an den Schulen eingerichtet werden, sagte der Forscher. Sie könnten auch bei zahlreichen anderen sozialen Krisen eingreifen, wenn sie die Signale der potenziellen Täter rechtzeitig erkennen könnten.

Wichtig sei zunächst die genaue Analyse der Drohungen und Hinweise, erklärte Hoffmann. Derzeit würden Gewaltdrohungen in Deutschland teils maßlos überschätzt oder auch schon mal schlicht ignoriert. "Dabei ist die Bundesrepublik nach den USA und Kanada weltweit das Land mit den meisten Amoktaten." Bei vielen Sachen könne man sicher von vorneherein sagen, dass nichts dahinter stecke. Bei den wenigen ernsten Vorfällen müsse man das persönliche Gespräch suchen, um psychologische einzugreifen. (tso/dpa)

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