Amoklauf in den USA : Wut über späte Warnung

Nach dem Amoklauf im US-Bundesstaat Virginia herrschen unter den Studenten Trauer und Entsetzen - aber auch Ärger über die verspätete Warnung. Der Täter war ein Student der Universität. Von Bertram Küster

Washington - Nach dem Amoklauf an der Technischen Universität von Virginia mit mindestens 33 Toten schwebt eine Frage weiter im Raum: Hätten Menschenleben gerettet werden können, wenn nach der ersten Schießerei, bei der zunächst zwei Menschen tödlich verletzt wurden, der Universitätsbetrieb eingestellt und der Campus gesperrt worden wäre?

Die Wut vieler Studenten richtet sich gegen die Polizei, die nach der ersten Schießerei zugelassen hatte, dass der Lehrbetrieb fortgesetzt wurde. Viele der Betroffenen werfen den Verantwortlichen vor, sie hätten zu spät vor dem Amokläufer gewarnt. "Ich weiß nicht, warum sie die Leute in den Seminarräumen ließen", sagt ein Student. "Viele ärgern sich darüber, dass der Campus nicht früher gesperrt wurde". Erst zwei Stunden nach dem ersten Vorfall hatte der Amokläufer begonnen, Kommilitonen und Lehrer zu töten.

Tatsächlich war die Lage während der Zeit zwischen den beiden Schießereien verworren. Der Universitätspräsident Charles W. Steger entschied gemeinsam mit dem Polizeichef, die Seminare nach dem ersten Vorfall nicht zu unterbrechen, da sie zunächst von einer Beziehungstat ausgingen. Zudem gingen die Verantwortlichen davon aus, dass der Täter den Campus nach der Tat verlassen hatte. Da viele Seminare bereits begonnen hatten, hielt man es für sicherer, die Studenten in ihren Räumen zu lassen.

Behörden halten Identität noch geheim

Die Polizei hat nach US-Medienberichten inzwischen die Identität des Todesschützen ermittelt. Die Behörden sind aber offenbar noch nicht bereit, seinen Namen und seine Herkunft zu nennen. Auch zum Motiv gab es keine Erklärungen. Universitäts-Präsident Steger bestätigte jedoch, dass der Täter selbst in dem Wohnheim gelebt hat, in dem zwei Menschen ums Leben kamen. Augenzeugen sagten, dass der Schütze ein junger Mann asiatischer Abstammung gewesen sei. Offenbar hatte sich der Amokläufer mit einem Kopfschuss schwer entstellt.

Vor dem Amoklauf waren am frühen Montagmorgen eine Studentin und ein Student in einem Wohnheim auf dem Campus getötet worden. Die Polizei untersucht nach den Worten von Flinchum, ob beide Fälle in einem Zusammenhang stehen.

Beziehungsstreit als Auslöser?

Der Amoklauf begann einem Mitstudenten zufolge nach einem Streit des Täters mit seiner Freundin. Der Schütze, nach unbestätigten Berichten ein Student aus China, habe seine Freundin im Streit erschossen, berichtete am Dienstag ein taiwanesischer Student in einem Interview des taiwanesischen Kabelfernsehkanals CTI aus den USA. Einen Mann, der den Streit schlichten wollte, habe er ebenfalls getötet. Nach dem Amoklauf habe er sich umgebracht: "Er schoss sich von hinten in den Kopf und sein Gesicht flog weg."

Die Nachricht von dem Massaker in den USA hat am Gutenberg- Gymnasium in Erfurt Bestürzung und Trauer ausgelöst. "In solchen Momenten ist alles sofort wieder da", sagte Direktorin Christiane Alt am Dienstag. Vor fünf Jahren hatte ein Ex-Schüler an dem Gymnasium 16 Menschen getötet und sich dann selbst erschossen. (mit dpa)

Diese Videoaufnahmen machte ein Student während der zweiten Schießerei mit seinem Handy: ()

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