Welt : Amoklauf in US-High School

Ein jugendlicher Amokläufer hat am Montag in einem Indianerreservat im US-Bundesstaat Minnesota seine Großeltern und anschließend in einer Schule sieben Menschen erschossen. Mindestens 12 Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Dann tötete sich der Schütze selbst.

Washington (22.03.2005, 16:44 Uhr) - Die Polizei machte am Dienstag keine Angaben zu einem möglichen Motiv für die tödlichen Schüsse auf dem abgelegenen Reservat an der Grenze zu Kanada. Der Täter galt als Einzelgänger. Es war das schlimmste Schulmassaker seit der Schießerei an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado, als zwei Jugendliche 1999 zwölf Mitschüler, einen Lehrer und sich selbst erschossen.

Schüler identifizierten den Jungen in der Lokalpresse als Jeff Weise. Die Altersangaben schwankten zwischen 15 und 17. Weise war nach Augenzeugenberichten grinsend und winkend durch die Red Lake High School gestürmt. «Offenbar lief er schießend durch den Flur, betrat dann ein Klassenzimmer, wo er die Schüler und die Lehrerin tötete, bevor er sich selbst das Leben nahm», schilderte Feuerwehrmann Roman Stately den Verlauf der Tat. Er war Minuten, nachdem Schüler und Lehrer mit Handys Alarm geschlagen hatten, an dem Gebäude.

Der Junge hatte zwei Pistolen und eine Schrotflinte aus dem Haus des Großvaters entwendet, der in dem Reservat als Polizist arbeitete. Er fuhr mit dessen Polizeiwagen zur Schule und feuerte gleich am Eingang auf den Sicherheitsbeamten. Der Amoklauf dauerte nach Augenzeugenberichten eine halbe Stunde. Unter den Opfern war neben dem Sicherheitsbeamten eine 62 Jahre alte Lehrerin. Drei Schüler waren auf der Stelle tot, zwei starben später im Krankenhaus. Die Opfer wurden alle im selben Klassenzimmer gefunden. In panischer Angst hatten sich viele der gut 350 Schüler in ihren Klassenzimmern verbarrikadiert. Einige berichteten über Schreie und Schüsse aus dem anliegenden Klassenzimmer. Sie habe ihre Schüler unter die Bänke getrieben und dann die Polizei angerufen, sagte die Lehrerin Diane Schwanz der Lokalzeitung «The Pioneer».

Nach Angaben der Zeitung bezeichnete sich Weise in rechtsextremen Internet-Foren als Bewunderer von Adolf Hitler. Dort sei er unter dem deutschen Namen «Todesengel» aufgetreten. Der Schüler sei stets in einem dunklen Trenchcoat zur Schule gekommen und habe am liebsten Musik des Schockrockers Marilyn Manson gehört. Verwandte berichteten der Zeitung, der Junge sei oft gehänselt worden und wahrscheinlich «ausgerastet». Sein Vater habe vor vier Jahren Selbstmord begangen. Die Mutter liege nach einem Verkehrsunfall mit Gehirnschaden in einem Heim.

«Dies ist ohne Zweifel die dunkelste Stunde in der Geschichte unseres Stammes», sagte Stammesführer Floyd Jourdain. Das Red Lake Reservat sei eine kleine Gemeinschaft, in der praktisch jeder jeden kenne. Die Einwohner seien fassungslos. In dem Reservat leben rund 5000 Ojibwa-Indianer, die sich Chippewa nennen. «Niemand hat sich bislang vorstellen können, dass solche Gewalt unter uns möglich ist», sagte Vernon Bellencourt, Sprecher der Indianerbewegung in Minneapolis, der »New York Times».

Der Stamm gilt als einer der ärmsten in dem Bundesstaat, berichtete die Zeitung »Star Tribune». In dem weitgehend von der Außenwelt abgeschnittenen Reservat liege die Arbeitslosenquote bei 40 Prozent. Viele Familien lebten an an der Armutsgrenze. Während andere Stämme von Casino-Einnahmen und Tourismus profitierten, spielten diese Einkünfte in dem abgelegenen Reservat kaum eine Rolle. (tso) ()

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