Amoklauf : Rätsel um das Mordmotiv der Professorin

Der Amoklauf der Professorin Amy Bishop in der Universität von Huntsville im US-Bundesstaat Alabama stellt Ermittler und Öffentlichkeit vor ein Rätsel. Die Biologin hatte während einer Fakultätssitzung drei Kollegen erschossen und drei weitere verletzt.

Rita Neubauer[San Francisco]

Der Amoklauf der Professorin Amy Bishop in der Universität von Huntsville im US-Bundesstaat Alabama stellt Ermittler und Öffentlichkeit vor ein Rätsel. Die Biologin hatte während einer Fakultätssitzung drei Kollegen erschossen und drei weitere verletzt.

Es ist das erste Mal, dass eine Frau auf einem Campus Amok gelaufen ist. Hintergrund der Tat ist offenbar die Tatsache, dass in der Fakultätssitzung endgültig beschlossen wurde, dass Amy Bishop nicht lebenslang verbeamtet wird.

War Diskriminierung – echte oder erdachte – das Motiv? Konnte Bishop, eine erfahrene Professorin, die Entscheidung einfach nicht verkraften? Oder handelt es sich um einen Menschen, der in seiner Wut und Enttäuschung keinen anderen Ausweg sieht, als gewaltsam Rache an denen zu nehmen, die er verantwortlich macht für diese Wut und Enttäuschung?

In Kommentaren wird darauf hingewiesen, unter welchem Konkurrenzdruck sich Forscher an den Universitäten befinden. Tatsache ist, dass die Täterin – wie immer in solchen Fällen – von den einen als freundlich und umgänglich beschrieben wird, von anderen dagegen als streit- und eigensüchtig. Auf einem Studentenblog wird die ehemalige Harvard-Studentin freundlich als „a liberal from Harvard“ beschrieben. Es gibt aber auch ein anderes Bild. William Setzer, Leiter der Fakultät für Chemie, erklärte, dass „Politik und Charakter“ bei Personalentscheidungen immer eine Rolle spielen. „Wenn es sich um einsame Wölfe oder bizarre Persönlichkeiten handelt, ist das ein Problem, und ich glaube, das hat hier eindeutig eine Rolle gespielt.”

Großes Interesse fand die Tatsache, dass die Biologin schon einmal getötet hatte. 1986 erschoss sie ihren damals 18-jährigen Bruder Seth, einen talentierten Geiger. Nach den Ermittlungsberichten handelte es sich um einen Unfall. Doch die Unterlagen über diesen Fall sind verloren gegangen. Auch soll Bishop damals angeblich drei Schüsse abgegeben haben, wobei einer ihren Bruder in der Brust traf. Aus ungeklärten Umständen wurden die Ermittlungen damals eingestellt.

Die Universität von Alabama in Huntsville befindet sich in der Nähe des Marshall Space Flight Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa und ist bekannt für ihre Ingenieurswissenschaften.

Nach einer Studie des Secret Service und des Bildungsministeriums handelt es sich bei Massenmördern an Schulen und Universitäten zu fast 100 Prozent um Männer. „Amokläufer am Arbeitsplatz sind überwiegend männlich”, erklärte Franklin E.Zimring, ein Jurist und Experte für die Verhinderung von Gewalt an der University of Berkeley in California. „Es ist ein Monopol der XY-Chromosome.”

Es ist eine Biologin, die dieses Monopol jetzt gebrochen hat.

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