Welt : Amoklauf: Wie eine Exekution

Der Amokläufer platzte mitten in die Debatte über das neue Schulgesetz: Minutenlang feuerte er mit seinem Sturmgewehr auf alles, was sich bewegte. "Es war wie eine Exekution", sagte der vom Schreck gezeichnete Kantonsrat Hanspeter Hausheer, der wie die Journalistin Deborah Annemah die Tat des Wahnsinnigen unverletzt im Saal überstand.

"Ich habe draußen einen Knall gehört, dann rannte ein Kantonspolitiker rückwärts in den Saal und schrie etwas. Erst dann gingen die Schüsse los", erinnert sich die Radiojournalistin an die Schreckensminuten. Sie und die anderen Journalisten seien dann sofort unter einen großen Tisch gekrochen, um sich gegenseitig zu schützen. "Der Tisch hat mich gerettet", ist sie überzeugt.

Der Amokläufer hat im Regionalparlament des Schweizer Kantons Zug mindestens 14 Menschen getötet. Ein Abschiedsbrief lässt darauf schließen, dass der Mann aus Rache handelte, weil die Abgeordneten am selben Tag seine Aufsichtsbeschwerde abgelehnt hatten. Nach Angaben des Präsidenten des Schweizer Parlaments, Peter Hess, sind drei der Todesopfer Mitglieder der Zuger Kantonsregierung. Der Täter nahm sich offenbar das Leben. Zehn Menschen wurden verletzt, wovon sich acht noch in einem kritischen Zustand befinden.

Ein Mann in Polizeiuniform sei mit einem Gewehr, Pistolen und möglicherweise einer Handgranate in den Plenarsaal gestürmt und habe dort angefangen zu schießen, berichtete ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. "Er schoss mehrere Minuten herum, es war schrecklich", sagte er.

Einem anderen Augenzeugen zufolge beschwerte sich der Täter zunächst lauthals über einige lokalpolitische Angelegenheiten. Anschließend habe er einige Schüsse abgefeuert und eine Handgranate geworfen. Die Anwesenden warfen sich auf den Boden oder suchten hinter Bänken Schutz. Der Saal wurde verwüstet, es brach Feuer aus und dichter Qualm nahm die Sicht.

Nach Berichten der Schweizerischen Depeschenagentur sda gab es im Plenarsaal eine Explosion.

Nach Angaben der Polizei war der Täter mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet. Er habe zudem zahlreiche Magazine dabei gehabt. Ob er eine Handgranate benutzt hat, konnten die Ermittler zunächst nicht sagen. Der Mann habe zuerst einen explodierenden Gegenstand in den Plenarsaal geworfen und dann nach allen Seiten schießend den Saal betreten, sagte ein Polizeisprecher.

Die Polizei habe den Mann, bei dem es sich offenbar um einen Einzeltäter handelt, anschließend überwältigt, doch dabei keinen Schuss abgefeuert. Wie der Täter tödlich verletzt wurde, blieb unklar. In der Nähe des Parlamentsgebäudes wurde unterdessen ein Auto gefunden, in dem sich Waffen befanden. Das Kantonsparlament von Zug hat 80 Mitglieder. Der Kanton Zug gilt als ein wichtiges Wirtschaftszentrum und auch als Steueroase der Schweiz. Mit seinen rund 100 000 Einwohnern südlich von Zürich ist Zug der steuergünstigste Kanton der Schweiz, in dem über 2000 Millionäre wohnen. Unter anderem sind dort einige bedeutende Rohstoffhandelsfirmen beheimatet.

Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich bei dem Täter um einen im Raum Zürich wohnenden Schweizer. Die Polizei gab zunächst weder den Namen noch das Alter bekannt. Vor dem Gebäude entdeckte die Polizei ein Auto mit weiteren Waffen. Ebenso wurde ein Brief gefunden, in dem von einem "Tag des Zorns für die Zuger Mafia" die Rede ist. Schweizer Politiker und die Bevölkerung reagierten schockiert auf die Bluttat. Die Sicherheitsmaßnahmen sowohl bei der Bundesregierung in Bern wie auch bei den Kantonsregierungen wurden verschärft. Normalerweise haben die Bürger weitgehend ungehinderten Zugang zu ihren Abgeordneten. Auch in Zug gab es keine starken Eingangskontrollen.

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