Welt : Amseltod aus den Tropen?

Hamburg - Für ein rätselhaftes Amselsterben in Süddeutschland ist womöglich ein tropisches Virus verantwortlich. Das Usutu-Virus wurde in mehreren Organen einer toten Amsel aus dem hessischen Birkenau nachgewiesen, wie das Bernhard- Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) am Mittwoch in Hamburg mitteilte. Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus wurde demnach bereits 2010 erstmals in deutschen Stechmücken gefunden. Es kann über einen Mückenstich auch auf den Menschen übertragen werden.

„Der Befund ist zwar alarmierend, da Usutu-Viren auch den Menschen infizieren können, jedoch sind in Deutschland bisher keine Infektionen von Menschen diagnostiziert worden“, erklärte der BNI-Experte Jonas Schmidt-Chanasit. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass das Virus in Deutschland auf Menschen übertragen werde oder gar eine Epidemie auslöse. Usutu-Fieber wurde laut BNI im Herbst 2009 erstmals bei Patienten in Italien diagnostiziert. Die Infektion kann demnach Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge sowie im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung auslösen.

Seit etwa zwei Monaten wird in Süddeutschland ein Amselsterben beobachtet. Betroffen sind vor allem Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Es müsse aber noch bewiesen werden, dass das Massensterben der Vögel durch das Usutu-Virus verursacht sei, erklärte Schmidt-Chanasit. Die tote Amsel, in deren Organen das Virus nun nachgewiesen wurde, hatten Mitarbeiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) gefunden und an das BNI weitergeleitet. Sie hätten bereits vermutet, dass Usutu-Viren die Ursache für das Vogelsterben sein könnten, erklärte KABS-Leiter Norbert Becker. AFP

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