Amsterdam : Wer Schwule oder Migranten mobbt, kommt in den Container

Der sozialdemokratische Bürgermeister von Amsterdam will Nachbarn, die Schwule, Lesben oder Migranten schikanieren, zur Strafe in Sonderdörfern isolieren. Das Projekt erinnert an die "Abschaum-Dörfer", die der Rechtspopulist Geert Wilders für notorische Unruhestifter gefordert hat.

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Schöne heile Welt. Drag Queens und Drag Kings drehen auf der weihnachtlichen Eisbahn in Amsterdam ungestört ihre Runden.
Schöne heile Welt. Drag Queens und Drag Kings drehen auf der weihnachtlichen Eisbahn in Amsterdam ungestört ihre Runden.Foto: dpa

Gelbe Karte, Rote Karte, Zwangsumzug in den Wohncontainer – mit diesem unorthodoxen Konzept will Amsterdam im neuen Jahr gegen Bewohner vorgehen, die ihren Nachbarn kontinuierlich das Leben zur Hölle machen. Bürgermeister Eberhard van der Laan, ein Sozialdemokrat, machte bekannt, die Stadt suche nach einem Standort für Containerwohnungen, wo Nachbarschaftsschrecks zwangsweise für ein halbes Jahr untergebracht werden. Dort sollen sie unter Aufsicht von Sozialarbeitern und Polizei resozialisiert werden. Anlass ist vor allem Nachbarschaftsterror gegen Schwulen und Lesben sowie gegen Migranten. Oftmals mussten Opfer in der Vergangenheit in eine andere Gegend umziehen. Amsterdam will jetzt den Spieß umdrehen und die Täter fortschaffen. 13 000 Beschwerden über Nachbarn gehen jedes Jahr bei der Amsterdamer Polizei ein. Etwa zehn Fälle pro Jahr stellen sich als so hartnäckig heraus, dass die Täter in einer anderen Wohngegend untergebracht werden müssten, heißt es. Für den Fall, dass sie auch dort Probleme verursachten, sollen sie künftig in Wohncontainern oder Caravans untergebracht werden. Die Stadt will eine Million Euro in das Konzept investieren. In den Niederlanden werden immer wieder Fälle von Belästigung und Bedrohung in der Nachbarschaft bekannt. Vielfach, zum Beispiel bei Homosexuellen, die regelmäßigen Anfeindungen ausgesetzt waren, zogen die Opfer selbst fort. „Das ist eine verkehrte Welt“, sagte der sozialdemokratische Bürgermeister. Die Stadtverwaltung betont, es handele sich nur um zehn Fälle pro Jahr.

Trotzdem ist der Ansatz, umgangssprachlich „Aso-Wohnungen“ genannt, umstritten. Er erinnert an die sogenannten „Abschaum-Dörfer“ am Rand der Städte, in denen der Rechtspopulist Geert Wilders notorische Unruhestifter umsiedeln wollte, was auf breiten Widerspruch stieß. Ein Kandidat für entsprechende Wohneinheiten wäre ausgerechnet Wilders’ Parteikollege Eric Lucassen gewesen. Seine Nachbarn hatten von Einschüchterung und Belästigung durch den Berufssoldaten berichtet, inklusive der Drohung, in ihren Briefkasten zu urinieren. Inzwischen gilt Lucassen als resozialisiert.

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