Amstetten : Erste Botschaft der Inzest-Opfer

Die Familie von Josef Fritzl wendet sich erstmals an die Öffentlichkeit. In einer Botschaft bedanken sich die Opfer für die Anteilnahme an ihrem Schicksal und berichten von ihren Gefühlen.

WienDie Opfer des österreichischen Inzesttäters Josef Fritzl haben eine handschriftliche Botschaft in einen öffentlichen Bekanntmachungskasten in Amstetten hängen lassen. Die Tochter des 73-jährigen Täters bedankt sich darin für die große Anteilnahme an ihrem Schicksal, wie die Zeitung "Kurier" am Mittwoch online meldete: "Wir, die gesamte Familie, möchten diesen Anlass nutzen, um Ihnen allen für Ihre Anteilnahme an unserem Schicksal zu danken", schreibt E. Fritzl. "Ihr Mitgefühl hilft uns sehr, die schwere Zeit zu bewältigen und zeigt uns, dass es auch gute und ehrliche Menschen gibt. Wir hoffen, dass für uns die Zeit kommt, wo wir wieder ins normale Leben zurückfinden werden."

Auf dem Plakat sind zwei Handflächen gemalt. Darin stehen mehrere Wünsche. Die 42-Jährige wünscht sich demnach die Genesung ihrer Tochter K. Die 19-Jährige wird seit Mitte April auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt. Ihre schwere Erkrankung und Einweisung ins Krankenhaus hatte zur Enttarnung von Josef Fritzls und der Befreiung seiner Opfer geführt.

18-jähriges Opfer wünscht sich, über eine Wiese zu laufen

Der 18-jährige Bruder von K. schrieb, er sei glücklich über die Freiheit und freue sich über Sonne, frische Luft und die Natur. Der fünfjährige Sohn träumt vom Rodeln und Autofahren und möchte mit Kindern spielen sowie über eine Wiese laufen. Die drei von insgesamt sieben Kindern, die Fritzl mit seiner Tochter während der 24-jährigen Keller-Gefangenschaft zeugte, hatten vor ihrer Befreiung aus dem Verlies Ende April noch nie das Tageslicht gesehen.

Der Genesungsprozess der Inzest-Familie macht Ärzten zufolge Fortschritte, wie die Zeitung weiter berichtete. Die Entlassung aus der Landesnervenklinik sei jedoch noch fern. Die Therapie werde sich noch monatelang hinziehen, zitierte das Blatt den ärztlichen Direktor Berthold Kepplinger. Es sei "notwendig, die Familie sehr behutsam und langsam an die Realität heranzuführen". (kj/AFP)

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