Amy Winehouse : Todesursache unbekannt

Fans und Freunde in aller Welt trauern um Amy Winehouse - und spekulieren über die Todesursache. Die Polizei hüllt sich zu den Gerüchten in Schweigen. Die Obduktion findet am Montag statt.

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Ihr Tod kam überraschend - und doch wieder auch nicht: Als die Soul-Diva vor einem Jahr tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde, waren Schock und Trauer groß. Die Untersuchungen später ergaben: Amy Winehouse starb an einer schweren Alkoholvergiftung. Sie soll über 4,1 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.Weitere Bilder anzeigen
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23.07.2012 13:35Ihr Tod kam überraschend - und doch wieder auch nicht: Als die Soul-Diva vor einem Jahr tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde,...

Kaum war am Samstag die Meldung von ihrem Tod in den britischen Medien verbreitet worden, versammelten sich viele Fans und Nachbarn am Camden Square in London. Zusammen mit Journalisten standen sie fassungslos vor dem von der Polizei abgesperrten Wohnhaus.

Woran Amy Winehouse starb, ist noch nicht geklärt. Am heutigen Montag soll die Obduktion stattfinden. Angaben von Freunden, sie sei an einer Überdosis Drogen gestorben, wurden von den Behörden nicht bestätigt. Außerdem machten Gerüchte die Runde, jemand sei kurz vor ihrem Tod bei Winehouse gewesen. Nachbarn wollten Schreie gehört haben. Die Polizei betonte, es sei niemand festgenommen worden.

Am Sonntag säumten Hunderte Fans den Platz im Norden Londons, sie legten Blumen nieder, Bilder und Zeichnungen, Teddybären, Kerzen, Briefe und sogar Wodkaflaschen als Symbol für das ausschweifende Leben, für das Winehouse ebenso berühmt war wie für ihre Musik. Der Camden Square wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem Wallfahrtsort für die trauernden Fans. „Es ist so traurig und schade zu sehen, wie eine so schöne und talentierte Frau diese Welt verlässt“, stand auf einem Zettel. „Wir werden dich nie vergessen“, auf mehreren anderen. Und wie in einem ihrer berühmten Songs, „Rehab“, in dem sie sich gegen die Einlieferung in eine Entzugsklinik wehrt, hat ein Fan in großen Buchstaben geschrieben: „No, No, No“.

„Es ist tragisch, dass sie so jung gestorben ist“, sagte eine junge Engländerin, bevor sie ihren Blumenstrauß niederlegte. „Sie hatte so viel Talent.“ Ein Mann sagte, es sei eine Tragödie für die Musikgeschichte, die eines unglaublichen Talentes beraubt worden sei.

Es herrscht eine merkwürdige Stimmung in Camden. Die Sonne scheint wieder einmal seit langem, eine große Ruhe und Friedfertigkeit liegt in der Luft. Das heitere Wetter, die Gelöstheit vieler Menschen, das von der Sonne hell erstrahlende wunderschön restaurierte alte Haus, in dem sie wohnte, das will nicht recht zum Ereignis passen.

„Sie gehörte hierher, setzte Camden auf die Weltkarte“, erklärte ein Fan der BBC, der mit seiner Freundin an den Camden Square gekommen war, um den Schock mit anderen zu teilen, wie er sagte. Auch Amys Lieblingspub, „The Hawley Arms“ in Camden, war Anlaufpunkt für Fans. „Für manche Leute mag es respektlos wirken, jetzt hier zu trinken“, sagt ein Stammgast dem „Guardian“, „aber sie war so sehr ein Teil dieses Stadtteils, kam oft hierher“. Winehouse habe sogar früher an der Bar gearbeitet. Sie sei „im Herzen ein normales Mädchen geblieben“, fügte der Gast an.

Vor dem Haus stehen vier Polizisten und ein schwarzes Auto. Der Körper der 27-Jährigen ist am Abend vorher herausgetragen worden. Was genau hinter den geschlossenen Jalousien noch passiert, weiß man nicht. Der Rettungsdienst teilte mit, am Samstag gegen 16 Uhr 54 seien zwei Krankenwagen zu der Wohnung gerufen worden. Der Notarzt habe aber nur noch ihren Tod feststellen können. Ein Polizeisprecher sagte vor der Polizeiabsperrung vor dem Haus, er wisse, dass einige Medien den Todesfall auf eine Überdosis Drogen zurückführten. Vor einer Autopsie sei es aber „unangemessen“, über die Todesursache zu spekulieren.

Die Familie der Toten bat am Sonntag in einer Mitteilung um Ruhe und die Akzeptanz ihrer Privatsphäre. Der Verlust von Amy habe die Familie mit einem Gefühl großer Leere zurückgelassen, hieß es. „Sie lässt ein klaffendes Loch in unser aller Leben.“ Die Familie sei zusammengekommen, um ihrer zu gedenken.

Amy und der Club der toten Musiker
Sie wurde nur 27 Jahre jung: Am Samstag meldeten britische Medien den überraschenden Tot der Soul-Sängerin Amy Winehouse. "Überraschend? - Wohl kaum!" sagen manche. Winehouse war bekannt für ihre Drogen- und Alkoholexzesse. Ihr Schicksal ist kein Einzelfall: Erstaunlich viele große Musiker verstarben im Alter von 27 Jahren.Alle Bilder anzeigen
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26.07.2011 10:23Sie wurde nur 27 Jahre jung: Am Samstag meldeten britische Medien den überraschenden Tot der Soul-Sängerin Amy Winehouse....

Amys Mutter Janis sagte der „Daily Mail“, sie habe ihre Tochter noch am Freitag gesehen und den Tag mit ihr verbracht. Zwar sei sie seit langem in großer Sorge um Amy gewesen, am Freitag sei es ihrer Tochter aber vergleichsweise gut gegangen.

Unterdessen soll der Vater der Sängerin, Mitch, von einer Reise nach New York zurückgekehrt sein, wo er eigentlich ein Konzert geben sollte. Mitch Winehouse hatte vergangenes Jahr seine erste Platte als Swingsänger herausgebracht, unter Mithilfe seiner Tochter. Mitch Winehouse hatte Amy in den vergangenen Jahren eng zur Seite gestanden. Er hatte wiederholt besorgt über ein „langsames und schmerzhaftes Sterben“ seiner Tochter gesprochen, falls sie ihre Drogen- und Alkoholprobleme nicht in den Griff bekomme. Die fünffache Grammy-Gewinnerin hatte erst im Juni einen Alkoholentzug in London abgeschlossen. Ihr Comeback mit einer Europa-Tournee scheiterte dennoch. Beim Auftaktkonzert vor 20 000 Fans in Belgrad wurde sie ausgebuht, weil sie zu betrunken war. Nach dem Eklat sagte sie die übrigen Konzerte ab.

Viele Prominente äußerten sich übers Wochenende zum Tod von Amy Winehouse. „Eine der größten Künstlerinnen, die dieses Land je hervorgebracht hat“, nannte sie Elton John. Der Entertainer Russell Brand erinnerte sich an die „Ehrfurcht“ die er empfunden habe, als er Amys Stimme zum ersten Mal gehört habe. Lily Allen schrieb auf Twitter: „Unfassbar traurig! Sie war so eine verlorene Seele, möge sie in Frieden ruhen.“ (mit dpa/AFP)

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