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Analyse des Unfassbaren : Adam Lanzas Vorgänger: Wie Außenseiter zu Mördern wurden

16.12.2012 21:26 Uhrvon
Adam Lanza, der Amokschütze von Newtown auf einem Foto im Highschool-Jahrbuch. Foto: ReutersBild vergrößern
Adam Lanza, der Amokschütze von Newtown auf einem Foto im Highschool-Jahrbuch. - Foto: Reuters

Über die Motive von Adam Lanza ist noch wenig bekannt. Doch bei Amokläufen in der Vergangenheit gab es häufig Gemeinsamkeiten zwischen den Tätern. Wie kann eine mögliche Amokprävention aussehen?

Bereits nach dem Amoklauf an der Columbine High School in Littleton 1999 startete der US Secret Service eine Untersuchung von Täterprofilen. Daraus versuchten die Behörden zu verstehen, welche Motive hinter einer solchen Tat stehen können – um so möglicherweise zukünftigen Taten vorbeugen zu können. Bei der Analyse zeigte sich zum Beispiel, dass die Täter ihre Taten oft über einen langen Zeitraum vorbereiteten. In den meisten Fällen kannten die Täter ihre Opfer persönlich und hatten regelrechte „Todeslisten“ erstellt. „Amok“ als Beschreibung einer spontanen Gewaltexplosion ist damit der falsche Begriff: Die Taten hatten in aller Regel eine lange Vorgeschichte.

Ebenfalls zeigte sich in den Analysen, dass die Täter fast immer gesellschaftliche Außenseiter waren. Auch der Amokläufer von Newtown, Adam Lanza, wurde von Mitschülern als isoliert beschrieben.

Viele Attentäter verfügten zudem über keine guten Berufsaussichten. Mehr als 50 Prozent der Täter waren depressiv, über 75 Prozent hatten vor der Tat Selbstmordgedanken geäußert oder sogar Suizidversuche unternommen. Hinzu kamen regelmäßig Missbrauch von Alkohol, Betäubungsmitteln und Psychopharmaka.

So genannte „Killerspiele“ am Computer waren nach den amerikanischen Experten-Analysen eher von untergeordneter Bedeutung. Zwar bestand eine erhöhte Neigung zu solchen Spielen und Action-Filmen, doch wurde diese Neigung von den Experten eher als Folge der Gewaltfantasien und nicht als Ursache gewertet. Die Fantasien waren oft schon zuvor vorhanden gewesen und hatten sich etwa in Zeichnungen ausgedrückt.

Zudem verfügte zwar mehr als die Hälfte der Täter über Erfahrung im Umgang mit Waffen – von Pfeil und Bogen bis zur Maschinenpistole – doch eigener Waffenbesitz war selten. Häufiger stammten die späteren Tatwaffen aus dem familiären Umfeld. So auch im Fall von Newtown, wo der 20jährige Lanza die Waffen seiner Mutter nutzte – die sie legal erworben hatte.

Wichtig sei eine erhöhte Aufmerksamkeit von Behörden und Mitschülern, heißt es in den Analysen. Denn rückblickend konnte bisher bei nahezu jedem Amoklauf festgestellt werden, dass der Täter zuvor Hinweise auf seine Tat gegeben hat. Dieses „Leaking“ kann als Hilferuf gewertet werden, die unbewusste Forderung danach, gestoppt zu werden. Doch bei fast allen Amokläufen wurden diese Hilferufe nicht ernstgenommen. Man hatte regelmäßig angenommen, dass die Täter sich „nur wichtig machen" wollten.

Die Analysen kamen daher zu dem Ergebnis, dass nur eine intensive Zusammenarbeit zwischen Schulen, Familien und Polizei wirkungsvolle Prävention bedeuten kann und Gesetze alleine nicht reichen. In den USA – und auch in Deutschland – versucht man seitdem mit gemeinsamen Ausbildungsplänen und Übungen, Polizei, Schulbehörden und Rettungsdiensten in der Amokprävention zu schulen.

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