Welt : Andrea büßt Reststrafe in Berlin ab

Thomas Seibert

Ein knappes Jahr nach ihrer Verurteilung als Drogenkurierin in der Türkei darf die 19-jährige Berlinerin Andrea Rohloff bald nach Deutschland zurück, um in einem Berliner Gefängnis ihre Reststrafe abzusitzen. Mit dem so genannten Umwandlungsurteil der türkischen Justiz sei in Kürze zu rechnen, sagte Rohloffs Anwalt Ülkü Caner am Dienstag. In einigen Wochen dürfte Andrea wieder in Berlin sein - wenn sie auch bis auf weiteres hinter Gittern bleibt.

Obwohl sie selbst die Überstellung nach Deutschland beantragt hatte, reagierte die junge Frau zunächst geschockt auf die Nachricht, dass sie bald in die Bundesrepublik heimkehren dürfe. "Zuerst war da nur reine Panik", wird in Andreas Umgebung berichtet: Rohloff befürchtete, in Berlin erneut vor Gericht gestellt zu werden. Doch ihre Angst war unbegründet - es geht nur um die Verbüßung einer Reststrafe. Andrea kann im deutschen Gefängnis sogar ihre durch den verunglückten Türkei-Urlaub unterbrochene Berufsausbildung zur kaufmännischen Angestellten beenden. Deshalb freut sie sich jetzt auf die Rückkehr nach Berlin.

Mit sechs Kilogramm Heroin in der Reisetasche war Andrea Rohloff im Januar vergangenen Jahres an der Sicherheitskontrolle des Flughafens Izmir an der türkischen Ägäis-Küste festgenommen worden. Damals, kurz nach ihrem 18. Geburtstag, war Andrea zum ersten Mal in ihrem Leben ohne ihre Eltern in Urlaub gefahren. Sie war zusammen mit einer Freundin namens Nadine in der Türkei unterwegs - und es war Nadine, von der Andrea nach eigener Aussage die Tasche mit dem Heroin erhielt. Von Nadine fehlt seit dem Tag der Festnahme jede Spur. Vor Gericht beteuerte Andrea Rohloff, sie habe nichts von dem Rauschgift mit einem Straßenverkaufswert von rund 150 000 Euro in ihrem Gepäck gewusst, sondern sei von Nadines Bande als nichts ahnende Drogenkurierin eingesetzt worden.

Ungewöhnlich schnell bearbeitete das türkische Justizministerium auch ihren Antrag, nach Deutschland verlegt zu werden.

Von dem türkischen Umwandlungsurteil hängt ab, wie lange Andrea Rohloff in Berlin noch hinter Gittern bleiben muss. Wenn sie sich dafür entschieden hätte, ihre Strafe komplett in der Türkei abzusitzen, hätte sie von den großzügigen Strafnachlässen profitieren können, die im türkischen Justizwesen bei nicht-politischen Häftlingen und bei guter Führung üblich sind. In den überfüllten türkischen Gefängnissen ist es üblich, Häftlinge bei guter Führung schon nach Verbüßung von etwa einem Drittel ihrer Strafe freizulassen.

Für Andrea hätte dies die Hoffnung auf Freilassung im nächsten Jahr bedeutet - aber eben auch noch ein Jahr im türkischen Gefängnis.

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