Welt : Angehörige der Terroropfer: Ansprüche ohne Totenschein

Zwei Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York kümmern sich die Behörden jetzt verstärkt um die Angehörigen der Opfer. So wurden Schritte eingeleitet, damit die Betroffenen auch ohne einen Totenschein Ansprüche an ihre Versicherungen stellen können. Außerdem wurde ihnen der Zugang zu den Konten ihrer Familienmitglieder gewährt.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern "Wir müssen Miete bezahlen und Babynahrung und Kredite", sagte die 33-jährige Cindy Gomes, die ihren Ehemann verlor. "Unser Leben war vorher normal, aber jetzt hängt alles an mir. Ich habe einen Teilzeit-Job, aber mit einem sechs Monate alten Baby kann ich nicht so viel arbeiten." Seit dem Tag nach dem Anschlag am 11. September wurden keine Überlebenden mehr in den Trümmern gefunden. Giuliani bemühte sich in den vergangenen zwei Wochen, den bangenden Familien nicht all ihre Hoffnung zu nehmen, räumte jedoch ein, dass die Chancen für die Vermissten schlecht stünden. "Wunder sind schon geschehen", sagte er.

Die Bürger von New York konnten am Dienstag in einer Vorwahl über die möglichen Nachfolger für Giuliani entscheiden, der nach dem Gesetz nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren darf. Die Vorwahl war wegen der Terroranschläge verschoben worden.

Nagelfeilen kommen in den Müll

Die Zahl der vermissten Deutschen hat sich weiter verringert. Während die New Yorker Behörden von insgesamt 6452 Opfern in den Trümmern der Zwillingstürme ausgehen, wurden von der Vermisstenliste des Auswärtigen Amtes weitere 20 der zuletzt noch 100 Namen gestrichen. Die Gesuchten hätten sich inzwischen bei Freunden oder Angehörigen gemeldet.

Seit den Terroranschlägen sind auf deutschen Flughäfen Tausende Messer, Scheren und Nagelfeilen beschlagnahmt worden. Die Fluggäste reagierten in den meisten Fällen verständnisvoll auf die strengen Kontrollen - auch wenn so manches lieb gewonnene, von den Sicherheitsbeamten aber als gefährlich eingestufte Stück direkt in den Mülleimer wanderte. Denn die Möglichkeit, spitze Gegenstände nach der Rückkehr am Start- Airport wieder abzuholen, gibt es wegen der großen Mengen an vielen Flughäfen nicht mehr, wie am Dienstag eine dpa-Umfrage ergab. Unter anderem wurden allein in Stuttgart rund 1000 "spitze Gegenstände" sichergestellt, teilte der Flughafen mit. Auch in Köln/Bonn konfiszierten die Beamten über 1000 Taschenmesser, Nagelfeilen oder -scheren. In München waren es sogar über 3000; Deutschlands größter Flughafen Frankfurt/Main meldete sechs Mal mehr beschlagnahmte Gegenstände als üblich.

Da die Lagerkapazitäten der Airports oft erschöpft seien und auch das übliche Procedere, beschlagnahmte Artikel während des Fluges im Frachtraum zu verwahren, organisatorisch nicht mehr zu bewältigen sei, würden die Gegenstände etwa in Stuttgart oder Hamburg weggeworfen. "Inzwischen schicken wir die Leute, die gefährliche Gegenstände bei sich führen, einfach zurück. Sie müssen selbst sehen, was sie damit machen", hieß es beim für München zuständigen Luftamt Südbayern.

"Jetzt wird viel härter eingegriffen, und auch die Nagelschere von einer 60 Jahre alten Frau, die eigentlich harmlos wirkt, wird konfisziert", erklärte Walter Römer, Sprecher des Flughafens Köln/Bonn.

Die Tochter des US-Außenminsters Colin Powell hat ihre Auftritte als Theater-Schaupielerin in Großbritannien aus Sorge um ihre Sicherheit abgesagt. Linda Powell werde ihre Rolle in dem Stück "Jitney" aus "offensichtlichen Sicherheitsgründen" nicht übernehmen, sagte eine Sprecherin des National Theatre in London am Montag.

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