• Angelina Jolie ließ sich vorsorglich die Brüste amputieren: Welche Rolle spielen die Gene bei Brustkrebs?

Angelina Jolie ließ sich vorsorglich die Brüste amputieren : Welche Rolle spielen die Gene bei Brustkrebs?

Vor Brustkrebs fürchten sich sehr viele Frauen. Amputation ist der extremste Schritt. Doch nur in fünf bis zehn Prozent aller Fälle ist die Krankheit erblich.

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Die Nachricht, dass die US-amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie sich aus Angst vor einer Krebserkrankung vorsorglich beide Brüste entfernen und durch Implantate ersetzen ließ, führt auch in Deutschland zu Diskussionen über den Umgang mit Krebsrisiken.

Was war der Grund für die drastischen Eingriffe im Fall Jolie?

Ein Bluttest hatte ergeben, dass die Schauspielerin eine genetische Veränderung in sich trägt, die ihr Risiko, im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, auf 87 Prozent erhöht. Dazu kommt die 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, Eierstockkrebs zu bekommen. Jolies Mutter war ihren Worten zufolge mit 56 Jahren an Brustkrebs gestorben, gegen den sie zehn Jahre angekämpft hatte. Jolie wollte sich diesem erhöhten Risiko nicht aussetzen. Durch die Amputation habe sie das Risiko nun auf unter fünf Prozent gesenkt.

Ist Brustkrebs immer erblich und welche Gene sind dabei im Spiel?

Genetiker schätzen, dass nur rund fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebs-Fälle auf eine erbliche genetische Veränderung zurückgehen. Die beiden wichtigsten „Brustkrebs-Gene“ sind BRCA 1 und BRCA 2 und wurden in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entdeckt. Beide gehören zur Familie der Tumorsuppressor-Gene. Bestimmte Veränderungen führen dazu, dass sie diese Aufgabe in der Krebsunterdrückung nicht mehr wahrnehmen können. Die Träger der genetischen Veränderung bekommen deshalb mit größerer Wahrscheinlichkeit Tumoren, und das nicht nur an der Brust, sondern auch an den Eierstöcken. Auch Tumoren am Darm und an der Prostata werden mit diesen beiden Genen in Verbindung gebracht. Inzwischen gibt es weitere „Verdachts“-Gene für Brustkrebs.

Die weitaus meisten Frauen, die im Verlauf ihres Lebens mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert werden, sind aber nicht Trägerinnen eines veränderten BRCA1 oder 2-Gens. Ihr Schicksal ist durch einen Bluttest nicht vorherzusagen. Deshalb wird ein genetischer Test nur denjenigen Frauen empfohlen, in deren Familie Brustkrebs auffallend häufig und früh aufgetreten ist: Sei es, dass das bei insgesamt drei Verwandten der Fall ist, oder aber bei zwei Verwandten in jungen Jahren, beidseitig oder kombiniert mit Eierstockkrebs. Diese Frauen haben meist schon früh den Tod von Müttern, Schwestern, Tanten und Cousinen zu verkraften gehabt. Frauenärztinnen und Frauenärzte sollten bei den Früherkennungsuntersuchungen gezielt nach derartigen familiären Belastungen fragen.

In den genannten Fällen bezahlt in Deutschland die Krankenkasse den Bluttest, und er muss immer mit einer ausführlichen Information und Beratung über das weitere Vorgehen verbunden sein. „Damit haben wir ein weltweit vorbildliches Angebot“, sagt Michael Untch, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Helios-Klinikum Berlin-Buch und Leiter des dortigen Brustzentrums, wo es wie in der Charité eine eigene Risikosprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs gibt. Seit Ende der 90er Jahre werden in Deutschland Daten dazu gesammelt.

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