Welt : Angola hofft

Weniger Menschen erkranken an Marburg-Fieber

Wolfgang Drechsler

Das Unheil beginnt gleich nach der Infektion. Zunächst klagen die Betroffenen über Kopfschmerzen, hohes Fieber und schweren Durchfall. Bis zu diesem Punkt deutet noch alles auf eine Grippe hin. Doch dann kollabiert plötzlich die Blutgerinnung: Aus allen Körperöffnungen dringt das Blut, aus Nase, Mund und Augen, selbst aus den Hautporen. Leber und Nieren versagen und zerfallen; binnen weniger Tage tritt durch das innere Ausbluten der Tod ein.

Diagnose: hämorrhagisches, also Blutungen auslösendes Fieber. Besser bekannt als: Marburg-Fieber. Bis heute sind mehr als 260 Menschen in Angola erkrankt und fast alle verstorben.

Doch an diesem Wochenende konnte die Weltgesundheitsorganisation(WHO) einen ersten vorsichtigen Erfolg vermelden. „Wir sind daran, die Ansteckungskette zu unterbrechen“, sagte der Leiter der WHO-Abteilung für Alarmbereitschaft, Mike Ryan. Die Zahl der Neuansteckungen sei gesunken. In der vergangenen Woche wurden erstmals nur 15 Neuerkrankungen gemeldet, zuvor waren es jeweils 25 bis 35 Fälle pro Woche. Um die Epidemie ganz unter Kontrolle zu bringen, prüft die WHO weiterhin die derzeit etwa 300 Kontaktpersonen der Patienten. Der Einsatz müsse jetzt verschärft werden, sagte Mike Ryan. „Das ist die kritischste Phase bei der Bekämpfung der Epidemie.“

Das Marburg-Virus wird über Körperflüssigkeiten übertragen, es gibt weder eine Impfung noch Medikamente. Isolierung der Patienten und der Schutz vor Übertragung sind momentan die einzigen Möglichkeiten, den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen. Das Fieber erhielt seinen Namen, nachdem es 1967 unter anderem in Marburg durch infizierte Affen übertragen worden war.

Fast exakt zehn Jahre nach der schweren Ebola-Epidemie im Südwesten des Kongo, bei der in kurzer Zeit mehr als 300 Personen erkrankten und fast 250 starben, spielt sich somit im Nachbarstaat eine vergleichbare Tragödie ab. Das Marburg-Fieber ist ein naher Verwandter des Ebola-Virus – die Todeszahl weltweit beispiellos. Die zuvor größte Erkrankungswelle an Marburg-Fieber gab es im Kongo, wo zwischen 1998 bis 2000 etwa 125 Menschen an dem Virus starben.

Konnten frühere Ausbrüche des oft tödlichen Fiebers durch die Isolation der Infizierten vergleichsweise schnell unterbunden werden, deutet nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde WTO diesmal allerdings wenig auf eine sehr rasche Eindämmung der Epidemie hin. Schließlich wurden die ersten Fälle in der Region bereits im Oktober gemeldet. Seitdem hat sich die Ausbreitung stark beschleunigt. Es sei äußerst schwer, die angolanische Bevölkerung zum Kampf gegen das gefährliche Virus zu mobilisieren, verlautet aus Kreisen der WTO. „Die Lage ist noch immer nicht unter Kontrolle“, sagt Pierre Formenty, ein Spezialist der WTO für neue und gefährliche Krankheiten. Die Epidemie könne noch Monate andauern, sagt er.

Zwar liege das Hauptaugenmerk auf der angolanischen Nordprovinz Uige, aber es gebe auch zwei bestätigte Fälle in der 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Luanda mit ihren vier Millionen Einwohnern. Die WTO spricht deshalb inzwischen von einer „Gesundheitskrise auf nationaler Ebene“. Schlimmer noch: Wie bereits bei den Ebola-Ausbrüchen in Zentralafrika glauben viele der oft abergläubischen Einheimischen, die Krankheit sei ein schrecklicher Fluch, der von den zur Hilfe geeilten westlichen Medizinern in ihren weißen Schutzanzügen übertragen werde. In den letzten Tagen hat es deshalb vermehrt Übergriffe auf Fahrzeuge westlicher Helfer gegeben. Für die Urwaldbewohner ist es unbegreiflich, dass winzige, unsichtbare Keime im Blut von Menschen oder Tieren für die Krankheit verantwortlich sein sollen.

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