Welt : Angriff auf Amerika: Nur über ihre Leiche

Rainer W. During

Die Flugzeuge, die auf das World Trade Center und das Pentagon stürzten, sind nach Ansicht von Terrorismusexperten von eigens dafür ausgebildeten Piloten geflogen worden. "Sie flogen die Flugzeuge selbst", sagte Gene Poteat, Präsident der Vereinigung Ehemaliger Geheimdienstoffiziere. "Kein Pilot, noch nicht mal mit einer Pistole am Kopf, würde in die Türme fliegen", sagte Poteat der Agentur AP. Die Flugzeugentführer hätten die Maschinen als Waffen benutzt, sagte Poteat. Die Terroristen waren seiner Ansicht nach offenbar auch in der Lage, Kommunikationssysteme zu deaktivieren, mit denen Behörden hätten gewarnt werden können.

Schon nach verhältnismäßig kurzer, intensiver Flugausbildung kann es für einen Terroristen möglich sein, ein Verkehrsflugzeug über eine kurze Strecke zu steuern oder in ein bestimmtes Ziel zu steuern. Diese Auffassung vertrat der erfahrene Flugkapitän Bernd Bockstahler im Gespräch mit dpa. Es sei denkbar, dass Terroristen die Cockpitbesatzung betäubt oder gar getötet und sich selbst an den Steuerknüppel gesetzt haben. "Wenn Terroristen intensiv im Umgang mit Waffen und Munition trainiert werden - warum dann nicht auch im Fliegen? Flugausbildung ist kein Geheimnis", sagte Bockstahler. "Es gibt Dutzende von Ausbildungszentren."

Der Sprecher der Deutschen Flugsicherung, Axel Raab, sagte im ZDF, die bei der Anschlagserie benutzten Flugzeuge seien weit unterhalb der Radarerfassung geflogen.

"Wir haben eine Krisensitzung", hieß es gestern bei der Deutschen Flugsicherung in Tempelhof. Nach der Katastrophe von New York und Washington hat der internationale Terrorismus eine neue Dimension erreicht, kann ein Flugzeug-Attentat auch in Deutschland nicht mehr ausgeschlossen werden. Da der Luftraum auch über Großstädten frei beflogen werden kann, ist der gewollte Absturz einer von Attentätern gesteuerten oder von Entführern in ihre Hand gebrachtem Maschine auf Regierungsgebäude oder sonstige mögliche Terrorziele kaum zu verhindern. Selbst der Präsidentenpalast ist nur in wenigen Staaten zu Friedenszeiten mit Flugabwehrgeschützen gesichert. Der vorsorgliche Abschuss der Maschine bliebe die einzige Möglichkeit, wäre bei einer über besiedeltem Gebiet fliegenden oder mit unschuldigen Geiseln besetzten Maschine jedoch undenkbar.

Einen Schutz gibt es nicht

Einen Schutzgürtel für Großstädte vor Terroranschlägen aus der Luft gibt es nicht. Bisher war man auch in den USA nur von einer Bedrohung durch Raketen oder Bomber aus dem Ausland ausgegangen. Unangemeldete Überflüge der Luftverteidigungs-Identifizierungszone (ADIZ) würden deshalb frühzeitig die Luftwaffe auf den Plan rufen. Der inländische Ziviflugverkehr wird dagegen nur von der Bundesluftfahrtbehörde FAA überwacht. Sie ist unter anderem für die Passagier- und Gepäckkontrollen vor dem Start verantwortlich, mit denen verhindert werdern soll, das bewaffnete Entführer an Bord eines Flugzeuges gelangen.

Ist die Maschine in der Luft, wird sie nur dann auffällig, wenn sie die vorgegebene Route oder Höhe eigenmächtig verlässt oder unangemeldet in eine Kontrollzone einfliegt und auch nicht auf die Ansprache auf den üblichen Funkfrequenzen reagiert. Dann können die Fluglotsen am Boden nur versuchen, andere Flugzeuge aus dem Weg zu dirigieren. Das gilt auch bei einer Entführung. Ein Anschlag ist so nicht zu verhindern, ohne Kenntnis der Intention der Täter auch kaum vorauszusehen.

"Ein Terroranschlag aus der Luft kann nur am Boden verhindert werden" sagt der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), Axel Raab. Die Passagier- und Gepäckkontrollen sollen verhindern, dass Entführer an Bord gelangen. Benutzen die Attentäter dagegen eine eigene Maschine und starten von einem kleineren Sportflughafen, greifen auch diese nur an Verkehrsflughäfen üblichen Schutzmaßnahmen nicht. Seit der Kalte Krieg vorbei ist, löst nicht einmal mehr ein auf dem Radar beobachteter, unangemeldeter Einflug aus dem Ausland automatisch Alarm der Bundeswehr aus, sagt Raab. "Im Normalfall wäre das nur eine Zollangelegenheit."

0 Kommentare

Neuester Kommentar