Welt : Animationsfilm: Echt cool

Andreas Oswald

Aki Ross, eine junge "Schauspielerin", bewegt ihr Gesicht, wenn sie Gefühle zeigt, ihre Pupillen verändern sich, wenn Licht auf die Augen fällt und auch sonst zeichnet sich die Frau durch Eigenschaften aus, die für Menschen eigentlich nicht spektakulär sind. Sie ist aber kein Mensch.

Bald, so könnte man meinen, werden Nachrichtensender täuschend echt über Kriege berichten, die in Wirklichkeit gar nicht ausgetragen werden, oder Staatsoberhäupter bei Friedensverhandlungen zeigen, die gar nicht stattfinden. Die Technik macht es möglich, am Computer Gesichter und Körper lebensnah zu kopieren, zu kreieren und sich bewegen und sprechen zu lassen.

In den USA hat heute der erste Film Premiere, der mit vollständig am Computer erzeugten "Schauspielern" entstanden ist. Nichts ist echt und doch wirkt er wie ein normaler Film mit lebenden Menschen.

"Final Fantasy - Die Mächte in Dir" heißt der Film, mit dem Hollywood einen entscheidenden Schritt in eine neue Ära eingetreten ist. In Animationsfilmen sind bislang tierische und menschliche Wesen immer realistischer gezeigt worden. Aber es gab immer noch ein Tabu: Menschen so zu kreieren, dass sie wirklich echt aussehen. Selbst die Prinzessin in "Shrek", dem jüngsten Kassenknüller der Animationsbranche, wurde nachträglich etwas zeichnerischer dagestellt, als dies zunächst geplant war, weil sie nicht so real wirken sollte.

"Final Fantasy" hat heftige Debatten über die Zukunft des Kinos und des Schauspielerberufes ausgelöst. In Deutschland läuft der nach einem beliebten Videospiel entstandene Film, in dessen Mittelpunkt die schöne Dr. Aki Ross steht, Ende August an.

Das Thema Authentizität wird derzeit in Hollywood pausenlos thematisiert. Immer weiter geht die Computertechnik. "Lara Croft" hat mit Angelina Jolie noch eine richtige Schauspielerin zu bieten. Der Film geht wie jetzt "Final Fantasy" auf Computerspiele zurück. "Cats and Dogs", letztes Wochenende in den USA angelaufen, setzt wie zuvor "Shrek" neue Maßstäbe in der Computer-Animation. Nicht zu vergessen Steven Spielbergs "A.I.", der das Thema künstliche Intelligenz aufwirft. In diesem Film geht es um einen künstlich geschaffenen Jungen, wie es ihn vielleicht irgendwann einmal geben wird. Aber Spielberg hat die Rolle mit einem Schauspieler besetzt. Ihm geht es um die philosophische Dimension.

Nicht so "Final Fantasy". Der Inhalt ist belanglos. Es geht einzig darum, zu zeigen, dass Schauspieler am Computer generiert werden können.

Ob Schauspieler langfristig wirklich überflüssig werden könnten, hält Spielberg "für ein Nicht-Thema", wie ihn die "New York Times" zitierte. Natürlich werden Schauspieler auch künftig gebraucht, pflichten ihm andere bei, vor allem die Schauspielergewerkschaft.

Aber zurück zu "Final Fantasy". Die virtuelle Heldin wirkt so sehr wie ein Mensch aus Fleisch und Blut, wenn sie läuft, kämpft oder sich durch die Haare streicht, dass Experten verblüft waren. Geradezu "unheimlich" fanden US-Kritiker die Blickkontakte mit ihr und den anderen "Darstellern", die im Gegensatz zu den meisten sonstigen Trickfiguren den Eindruck einer tatsächlich vorhandenen Intelligenz vermittelten. "Die Augen sind das wichtigste", sagte Regisseur Andy Jones. "Wir haben darauf geachtet, dass sie sich so bewegen, als würden die Charaktere selbst denken und eigene Gefühle haben."

Ein Witzbold unter den Hollywood-Reportern forderte die Schauspielergewerkschaft SAG auf, sich nun Gedanken über die Eintreibung von Beiträgen unter den digitalen Kollegen zu machen. Er schlug "1000 Megabit pro Monat" vor.

Ansonsten aber wird das Thema erstaunlich ernsthaft diskutiert. "Ich bin sehr beunruhigt", sagte der zweifache Oscar-Preisträger Tom Hanks.

Die "New York Times" schrieb: "Filmstars fürchten Angriff der Digital-Schauspieler." Vielleicht ist die Furcht berechtigt. Vielleicht eröffnet die Entwicklung aber auch neue Möglichkeiten: Das neue cineastische Menschenbild ist fertig und diese Figuren zeigen, was wir uns wünschen - echte Gefühle.

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