Welt : Anklage: Monika Böttcher ist schuldig

Mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft geht der Wiederaufnahmeprozeß in die letzte Runde GIESSEN (dpa).In dem Wiederaufnahmeverfahren gegen Monika Böttcher (vormals Weimar) hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch vor dem Landgericht Gießen auf eine erneute Verurteilung der 38jährigen Angeklagten plädiert.Sie forderte eine lebenslange Freiheitsstrafe.In ihrem Plädoyer beantragten die beiden Ankläger am Mittwoch, darüber hinaus die besondere Schwere der Schuld festzustellen, so daß eine Freilassung nach 15 Jahren ausgeschlossen wäre. Wegen Fluchtgefahr beantragte die Anklage, Monika Böttcher erneut in Untersuchungshaft zu nehmen.Das Gericht vertagte die Entscheidung.Am Donnerstag plädiert der Nebenkläger, nächste Woche die Verteidigung. Die Anklagebehörde glaube nicht an die sogenannte "Nachtversion", derzufolge Böttcher ihre beiden Töchter, die siebenjährige Karola und die fünf Jahre alte Melanie, in der Nacht zum 4.August 1986 in ihrer Wohnung tot aufgefunden haben will, sagte sie. Trotz der Erinnerungslücken vieler Zeugen und Ungenauigkeiten in deren Aussagen hält es die Anklage jedoch nach 54 Verhandlungstagen für erwiesen, daß die Kinder am Vormittag des 4.August noch lebten und dann von ihrer Mutter erwürgt beziehungsweise erstickt wurden. Im ersten Prozeß - es war einer der spektakulärsten der Nachkriegsgeschichte - hatte das Landgericht Fulda Monika Böttcher 1988 wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, Böttcher beschuldigte dagegen ihren damaligen Ehemann als Täter.Monika Böttcher hieß zum Zeitpunkt der Tat Weimar.Nach ihrer Scheidung nahm sie wieder ihren Mädchennamen an. Im vergangenen Jahr erreichte der Hamburger Revisionsspezialist Gerhard Strate das Wiederaufnahmeverfahren, Frau Böttcher kam frei.Die Verteidigung sagte der dpa, sie werde kommende Woche angesichts der Beweislage auf Freispruch plädieren. Die Staatsanwaltschaft machte deutlich, daß aus ihrer Sicht die Ehe von Monika Böttcher mit Reinhard Weimar Ende 1985 zerrüttet war.In der Beziehung der Angeklagten zu ihrem damaligen Liebhaber - dem US-Soldaten Kevin Pratt - habe es wiederholt Spannungen gegeben.

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