Anlage : Gold - Sehnsucht nach Sicherheit und die Gefahr einer Blase

Zwischen Angst und Gier – kein Wertgegenstand löst so starke Gefühle aus wie das gelbe Metall. Und wann kommt der große Crash?

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Vermeintliche Sicherheit - Gold löst bei vielen Anlegern starke Gefühle aus.
Vermeintliche Sicherheit - Gold löst bei vielen Anlegern starke Gefühle aus.Foto: dapd

Als der lydische König Krösus 560 vor Christus als erster Herrscher einheitliche Goldmünzen für sein Reich prägen ließ, konnte er nicht wissen, dass dieses Modell das Finanzwesen der Menschheit bis in die Neuzeit bestimmen würde. Nicht nur war damit ein Geldkreislauf geschaffen, der den rückständigen Naturaltausch ersetzte und damit die Wirtschaft ankurbelte, er koppelte das Prinzip des Geldtauschs an den Goldstandard. Geld funktioniert nur, wenn es allgemein akzeptiert wird, wenn die Menschen darauf vertrauen, dass sein Wert erhalten bleibt. Gold schien schon damals diese Funktion am besten zu erfüllen. Das hell schimmernde Metall, knapp und kostbar, übte seit frühester Geschichte eine große Faszination aus. Es wurde zum Bezahlen benutzt und zum Verführen.

Und es wurde heimlich gehortet. Bis heute scheint das gelbe Metall nichts von seiner Anziehungskraft verloren zu haben. Im Gegenteil. Die Menschen kaufen und kaufen, obwohl der Goldpreis schwindelerregende Höhen erreicht hat.

Immer wenn die Angst vor Inflation grassiert, besinnen sich Menschen wie Herrscher auf das Gold. Gold, so sind sich alle einig, bedeutet Sicherheit, nach der sich alle so sehr sehnen.

In der römischen Kaiserzeit ersetzte Konstantin 310 nach Christus die inflationierte Silberwährung durch eine neue Goldwährung. Er nannte die Goldmünze solidus. Sie blieb bis ins 12. Jahrhundert Leitwährung in Europa.

Gold zeigte sich auch später immer wieder als solide. In der Hyperinflation von 1923 in Deutschland stieg der Goldpreis dreimal so stark wie die Inflationsrate. Als in den 1970er Jahren Ölkrise, steigende Staatsverschuldung und anziehende Inflation Ängste auslöste, erreichte der Goldpreis ein historisches Hoch von 183 Dollar, 1980 auf dem Höhepunkt der Inflation gar 675 Dollar. Mit dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 und dem anschließenden Zusammenbruch der Aktien begann erneut ein kontinuierlicher Anstieg, der seit der Finanzkrise 2008 regelrecht eskaliert. Obwohl die Welt seither gegen eine Deflationsgefahr ankämpft, vertrauen die Menschen eher ihren Gefühlen, und da regiert wieder die Angst vor Inflation.

Nach den drohenden Bankpleiten sind es nun die drohenden Staatspleiten in Europa. Berichte über eine zusätzlich drohende Zahlungsunfähigkeit der USA lassen viele Menschen zweifeln, dass es demnächst überhaupt noch eine stabile Währung in der Welt geben wird.

Da hilft nur Gold. Denken sie.

Wo alle in dieselbe Richtung rennen, droht der Abgrund. Nach jeder Gold-Euphorie kam es anschließend zum Crash. Das zeigt der nebenstehende Chart. Wer 1980 Gold kaufte, musste zwei Jahrzehnte lang einem deprimierenden Wertverfall zusehen. Im Internet tobt eine glaubenskriegähnliche Debatte, ob der derzeitige Goldpreis eine Blase ist, die bald zerplatzt, oder ob der Aufwärtstrend immer weitergeht. Letzteres hat man von den Immobilienpreisen in den USA auch gesagt, bevor die Blase 2007 platzte und eine weltweite Finanzkrise heraufbeschwor. Kann Gold eine Finanzkrise verursachen? 1869 führte eine eskalierende Goldspekulation in den USA in der Tat zu einer Finanzkrise.

Wenn es eine Erfahrung gibt, dann die: Jeder Aufwärtstrend ist irgendwann zu Ende. Anschließend geht es bergab. Aber niemand weiß, wann der Aufwärtstrend zu Ende ist. Und wie weit er führt. Steigt das Gold auf 2000 Dollar, bevor der Einbruch kommt? Auf 3000? 4000? Und wann soll man aussteigen? Diese Fragen zeigen, wie spekulativ Gold ist. Es ist eine Ironie, dass ausgerechnet Gold, mit dem die Menschen Sicherheit verbinden, in Wirklichkeit sehr hohe Wertschwankungen aufweist. Und wo hohe Wertschwankungen auftreten, kann niemand von sicherer Investition sprechen. So erlebt die Welt, dass Millionen von konservativen Anlegern auf der Suche nach Sicherheit unbewusst zu Spekulanten werden.

Und was tun die wahren, die großen Spekulanten? George Soros, der einst das britische Pfund in die Knie zwang, ist aus dem Gold ausgestiegen, heißt es.

Aber wer will schon zu den großen bösen Spekulanten gehören.

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