Welt : Anschlag auf Trinkwasser am Bodensee

seit vier Wochen geheim

Bettina Wieselmann[Stuttgart]

Alarmstufe eins: Auf die Bodenseewasserversorgung (BWV), die vier Millionen Menschen im Land das Trinkwasser liefert, ist ein Anschlag verübt worden. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Stuttgarter Regierungskreisen. Nach Eingang eines Drohbriefes an die BWV am 18. Oktober konnten bisher zwei geöffnete Kanister mit Pflanzenschutzmitteln in der Nähe der 300 Meter vom Ufer entfernten Entnahmestelle Sipplingen am Überlinger See in 70 Meter Tiefe geborgen werden. Sofort gezogene Proben aus dem Wasser wie dem aufbereiteten Trinkwasser hatten zuvor den Nachweis einer Verunreinigung mit dem Pflanzenschutzmittel Atrazin sowie weiteren giftigen Substanzen erbracht. Die Mengen waren unterhalb der zulässigen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung, so dass, wie versichert wird, zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefährdung bestand.

Der bisher unbekannte Täter, der sich bezichtigte, Kanister mit Pflanzenschutzmitteln im See versenkt zu haben, will möglicherweise nur öffentliche Aufmerksamkeit. Als einzige Forderung verlangte er in seinem Brief, dass die Presse informiert werden solle. Gleichzeitig ließ der Täter, der nach Mutmaßungen der Ermittler Landwirt sein könnte, wissen, dass er jederzeit über weitere Pflanzenschutzmittel „in beliebiger Menge“ verfüge. Für das Unkrautvernichtungsmittel Atrazin gibt es seit 1991 ein generelles Anwendungs-, aber kein Besitzverbot. Nachgewiesen wurden auch andere giftige Substanzen, über die aus ermittlungstechnischen Gründen keine Angaben gemacht werden. Um dem Täter auf die Spur zu kommen, haben Polizei und Staatsanwaltschaft vier Wochen stillgehalten. Am heutigen Montag wollen sie zusammen mit Vertretern der BWV im Friedrichshafener Landratsamt vor die Presse treten. Da nicht bekannt ist, wie viele Giftkanister der Täter versenkt hat, dauert die Suche an. Polizeiboote, ausgestattet mit Unterwasserkameras, kämmen weiterhin das Gebiet um die Wasserentnahmestelle vor Sipplingen ab.

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