Welt : Anschluss über den Wolken

Bald soll jeder im Flugzeug mit seinem Handy telefonieren dürfen. Allerdings wird das teuer

Rainer W. During

Berlin - Wer sich weigert, im Flugzeug sein Handy auszuschalten, steht heute noch mit einem Bein im Gefängnis. Doch bereits im kommenden Jahr soll nach dem Laptop nun auch das Mobiltelefon an Bord zugelassen werden. Tests haben erwiesen, dass die Elektronik moderner Jets weniger anfällig gegen die Funkwellen ist, als bisher vermutet.

Lufthansa-Techniker haben die Bordelektronik eines Jumbo-Jets der 25-fachen Sendeleistung eines Mobiltelefones ausgesetzt. Das Einzige, was dabei zu Bruch ging, war ein Messgerät der Prüfer. Auf einem Testflug der American Airlines in Texas telefonierten Crew und Gäste mobil um die Wette. Und in Frankreich wurden von Airbus und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt verschiedene Funktechnologien an Bord eines A340-600 erfolgreich erprobt.

Am Boden gibt es ein überlappendes, nahezu flächendeckendes Netz so genannter Mobilfunkzellen. Wechselt der Handynutzer den Standort, bucht sich sein Telefon automatisch in die nächste Sende- und Empfangsstation ein. Um auch in Höhen von mehr als 10000 Metern und bei Geschwindigkeiten über 800 Stundenkilometern telefonieren zu können, muss in der Kabine des Flugzeugs jeweils eine eigene Mobilfunkzelle installiert werden. Ein bordeigener Server stellt dann über Satellit die Verbindung zu den terrestrischen Netzen her. Der Hersteller Ericsson hat kürzlich das erste Serienmodell einer solchen fliegenden Basisstation vorgestellt. Eine mit der Festschreibung internationaler Standards betraute Kommission der Radio Technical Commission for Aeronautics tagt seit Dienstag in Kanada. In Deutschland bereitet das Verkehrsministerium eine Änderung der Betriebsordnung für Luftfahrzeug-Elektronik vor. Bei Airbus wird die Zulassung eines Bordsystems vorbereitet, das ab Mitte 2006 in den Flugzeugen eingebaut werden soll.

Betreiber des bordeigenen Netzes könne ein Mobilfunkanbieter, die Fluggesellschaft selbst oder ein externer Provider sein, sagt Ericsson-Sprecher Lars Bayer. Unabhängig von ihrem Provider können die Passagiere ihre Telefone im Flugzeug wie beim internationalen Roaming während eines Auslandsaufenthaltes einbuchen. Das System sei für alle Handys im GSM-Standard geeignet.

Roman Friedrich von der Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton rechnet mit einem Telefontarif von einem Euro pro Minute, der in drei bis fünf Jahren auf 75 bis 50 Cent sinken könnte. Im Jahr 2010 werde der Umsatz fürs Telefonieren im Flieger allein in Europa ein Volumen von zwei Milliarden Euro erreichen.

Doch nicht alle sind begeistert. Flugbegleiter warnen vor dem zu erwartenden Stimmengewirr in der Kabine. Und US-Sicherheitsbehörden befürchten, dass Terroristen mit Handys an Bord Anschläge koordinieren oder Bomben fernzünden könnten.

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