Welt : Anti-Porno-Vorkämpfer festgenommen

MORKHOVEN/DEN HAAG .Die belgische Polizei hat am Montag überraschend den Sprecher der belgischen Bürgerinitiative festgenommen, die den Skandal um Kinderschänder im niederländischen Zandvoort ans Licht gebracht hat.Der Privatermittler Marcel Vervloesem von der "Arbeitsgruppe Morkhoven" hatte die Übergabe von Beweismaterial an die Polizei verweigert.Als belgische und niederländische Polizisten das Material am Sonntag abend beschlagnahmen wollte, hatte die Gruppe nach eigenen Angaben bereits alles an einem unbekannten Ort versteckt.

Bei dem Material geht es nach Angaben von Vervloesem um Disketten mit rund 10 000 pornographischen Fotos, die zum Teil die Vergewaltigung von Kleinkindern zeigen.Außerdem hat die Gruppe nach eigener Darstellung Adressenbestände und Abrechnungen der Bande in ihrem Besitz.Das Material sei ihr von einem der Bandenmitglieder ausgehändigt worden.Vervloesem wurde am Montag während eines ZDF-Interviews in seiner Wohnung in Morkhoven bei Antwerpen abgeführt.

Die Bande von Zandvoort soll in den vergangenen Jahren mindestens drei deutsche Jungen verschleppt haben.Einer davon sei der seit 1993 vermißte Manuel Schadwald aus Berlin, sagte der Vorsitzende der "Arbeitsgruppe Morkhoven", Jan Boeykens, am Montag.Die Jungen seien in den Niederlanden zur Prostitution gezwungen worden.Die deutsche Polizei hat wiederholt Zweifel an der Glaubwürdigkeit solcher Angaben geäußert.Die Gruppe beruft sich auf das Bandenmitglied Robbie van der Plancken, das zur Zeit in Italien inhaftiert ist.Die Polizei in Berlin hat dort eine Vernehmung des Mannes beantragt.Niederländische Presseberichte, wonach die Bande "Dutzende von Kindern" aus Deutschland "auf Bestellung" verschleppt haben soll, konnte Boeykens nicht bestätigen.

Die SPD-Rechtsexpertin Däubler-Gmelin sprach sich für spezialisierte Ermittlungsgruppen der Polizei gegen Straftaten im Internet aus.Sofern die Internet-Anbieter von Deutschland aus agierten, gehe es vorrangig darum, ihren Aufenthalt zu ermitteln, um sie vor Gericht zu stellen.

Bayern: Alle Pornos verbieten

MÜNCHEN (AFP).Nach dem Kinderporno-Skandal im Internet möchte Bayern alle Pornovideos aus den deutschen Videotheken verbannen und ein allgemeines Verleih-Verbot für solche Filme einführen.Beim Leihen anstößiger Filme sei die Hemmschwelle wesentlicher geringer als beim Kauf, sagte Bayerns Ministerpräsident Stoiber am Montag in München.Das Verleih-Verbot sei eine alte Forderung der CSU, die stets am Widerstand der FDP gescheitert sei.Nach dem Kinderporno-Skandal gebe es nun "vielleicht eine neue Chance", sagte Stoiber.Die FDP könne nun zudem auch kaum noch an ihrer Ablehnung der visuellen Wohnungs-Überwachung festhalten.

Deutsche kaufen Achtjährige

RAROTONGA (AFP).Zwei Deutsche haben auf den Cookinseln im Südpazifik ein achtjähriges Mädchen regelrecht gekauft.Wie die Grenzbehörden am Montag mitteilten, zahlten die beiden Deutschen einem Elternpaar eine unbekannte Summe, um deren Tochter für angeblich drei Monate mit nach Deutschland nehmen zu können.Nach Angaben der Behörden gaben sich die beiden Deutschen als Mutter und Sohn aus, woran jedoch Zweifel bestünden.Die Cookinseln waren in den zwei vergangenen Jahren mindestens zweimal Ziel von Kinderschändern.In beiden Fällen zahlte ein Deutscher den Eltern Geld und machte ihnen Geschenke.

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