Anwohner schockiert über Serienmord : Dennis’ Mörder hatte Pflegekinder

Die Polizei arbeitet fieberhaft daran, weitere Vergehen aufzuklären. In Hamburg herrscht nach der Festnahme des geständigen Täters Entsetzen über den Serienmord.

Ein Polizeiwagen steht vor dem Haus in Hamburg-Harburg.
Ein Polizeiwagen steht vor dem Haus in Hamburg-Harburg.Foto: dpa

Die Anwohner im Hamburger Stadtteil Harburg sind schockiert. Der geständige Serienmörder, der den neunjährigen Dennis aus Osterholz-Scharmbeck und mindestens zwei weitere Jungen umgebracht hat, lebte jahrelang mitten unter ihnen in der Wohnsiedlung. In der Nähe seiner Wohnung befinden sich mehrere Schulen. An der Straßenecke liegt eine Bushaltestelle, an der fast täglich Schulkinder ein- und aussteigen. Die beige verklinkerte Doppelhaushälfte wirkt unscheinbar. Im Obergeschoss, in dem der 40-jährige Martin N. allein lebte, sind fast alle Rollläden heruntergelassen. Die Bewohner der Parterrewohnung wollen sich zunächst nicht dazu äußern. Die meisten Nachbarn kannten den 40-Jährigen nicht. Ein älteres Ehepaar beschreibt den mutmaßlichen Serienmörder als „freundlich, nett, hilfsbereit“. Allerdings würden auch sie ihn nicht näher kennen.

Der Täter, dessen Name mit Martin N. abgekürzt wird, hat neben den drei Morden 40 Missbrauchsfälle vorwiegend in Schullandheimen und Jugendzeltlagern gestanden. Die Polizei arbeitet fieberhaft daran, weitere ähnliche Taten aufzuklären. Nach Angaben des „Spiegel“ soll der Täter früher auch mit der Betreuung von Pflegekindern betraut gewesen sein. Nach Angaben ehemaliger Nachbarn habe der heute 40-Jährige Ende der neunziger Jahre wiederholt „etwa zehn bis 15 Jahre alte Pflegekinder“ in seiner damaligen Souterrainwohnung in Bremen-Neustadt bei sich aufgenommen. Die Kinder hätten aus sozial benachteiligten Familien gestammt und seien zur vorübergehenden Betreuung an den Pädagogen vermittelt worden. Ob die Angaben zutreffen und wer in diesem Fall für die Vermittlung der Kinder an den gebürtigen Bremer verantwortlich war, wird laut „Spiegel“ derzeit in der Bremer Sozialbehörde und von der zuständigen Sonderkommission der Polizei geprüft. Die Soko „Dennis“ wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Zu Einzelheiten der Nachforschungen nähmen die Ermittler „zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung“, sagte eine Polizeisprecherin im niedersächsischen Verden. Es gehe nun darum, die Kontakte des geständigen Festgenommenen in den letzten beiden Jahrzehnten lückenlos nachzuweisen und ein „möglichst geschlossenes Zeitband“ zu erstellen. Gegen den Mann hatte es 2005 ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bremen wegen Sexualstraftaten gegeben. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Mann ist bis heute nicht vorbestraft. (dapd/AFP)

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