Welt : Anzeichen für rechte Gesinnung bei Amokläufer

Frank Jansen

Drei Tage nach dem Amoklauf von Adam Labus in Eching und Freising mehren sich die Hinweise auf eine diffus neonazistische Gesinnung. "Auf Grund seines äußeren Erscheinungsbildes, vor allem seines Haarschnitts und seiner Kleidung, können wir nicht ausschließen, dass Labus mit der rechten Szene sympathisierte", sagte am Donnerstag der Sprecher der Polizeidirektion Erding, Christian Meier, dem Tagesspiegel. Meier betonte jedoch, es gebe keine Erkenntnisse über politische Delikte des Amokläufers. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien auch keine rechten CDs oder andere einschlägige Utensilien gefunden worden. Der 22-jährige Labus hatte, wie berichtet, am Dienstag in Eching und Freising drei Menschen erschossen. Anschließend brachte sich der kahlgeschorene, Tarnkleidung tragende Amokläufer um.

Die Münchner "Abendzeitung" zitierte am Mittwoch den Kreisverband Freising der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) mit der Behauptung, Labus habe engen Kontakt zu dem NPD-Funktionär Jens Pühse gepflegt. Pühse leitete Ende der 90er Jahre den Kreisverband Freising des NPD-Ablegers "Junge Nationaldemokraten" und sitzt heute im Bundesvorstand der Partei. Der Rechtsextreme wollte dem Tagesspiegel keine Fragen zu Labus beantworten, bestritt aber am Mittwoch gegenüber der "Abendzeitung", den Amokläufer gekannt zu haben.

Welche Bedeutung ein Brief hat, den angeblich Labus verfasste und mit "Heil H ..." unterschrieb, ist den Sicherheitsbehörden unklar. Die Münchner Zeitung "tz" druckte das Schreiben ab, das Labus im Oktober 1996 aus Dänemark an einen Freund geschickt haben soll.

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