Welt : Applaus und Jubel nach geglückter Geiselbefreiung

23jähriger Häftling brachte Frau von Oberstaatsanwalt Heinrich Wille in seine Gewalt Lübeck(AP) Erst war ein lauter Knall zu hören, dann gab es von den obersten Stockwerken des Hochhauses gegenüber der Lübecker Justizvollzugsanstalt Applaus und Jubel.Kurz vor 14.00 Uhr am Dienstag war die Geiselnahme in dem Gefängnis beendet.Seit 08.30 Uhr hatte ein 23jähriger Häftling die Frau des Leitenden Oberstaatsanwalts Heinrich Wille in seiner Gewalt gehabt.Er bedrohte nach Polizeiangaben die 48jährige Meike Wille, die in der JVA als Abteilungsleiterin angestellt ist, mit einem Messer und schloß sich mit ihr in einem Zimmer ein.Der Mann wollte damit seine sofortige Freilassung erpressen. Mehrere Stunden dauerten die Gespräche zwischen dem 23jährigen und einer Verhandlungsgruppe aus der Psychologen, Polizisten und Vollzugsbeamten, die den Häftling kennen.Ein Polizeisprecher erklärte nur knapp zwischendurch, die Verhandlungsgruppe wolle weitgehend auf die Forderungen des Gefangenen eingehen.Was genau der 23jährige verlangte, gab die Polizei nicht preis - aber offenbar war es ein Auto für den Fluchtweg. Denn gegen 13.50 Uhr kam nach Augenzeugenberichten ein heller BMW langsam vom Hof des Gefängnisses am Hintereingang durch eine offene Schranke gefahren.Bewohner des Hochhauses konnten das Geschehen von den obersten Stockwerken aus beobachten.Nachdem der Wagen etwa 50 Meter gefahren war, gab es einen ohrenbetäubenden Knall.Nach Angaben der Polizei war eine Blendgranate gezündet worden.Mehrere bewaffnete Polizisten mit Helmen und schutzsicheren Westen sprangen auf den Wagen zu und zerrten den 23jährigen Mann und seine Geisel aus dem Auto."Die waren in voller Montur", sagte ein Augenzeuge.Es dauerte nur wenige Augenblicke, dann lag der Täter neben der Fahrertür auf dem Boden, über ihm mehrere Polizisten.Die Geisel blieb nach Angaben der Polizei unverletzt, über den Zustand des Häftlings gab es unterschiedliche Angaben. Der 23jährige Mann gilt als gewalttätig.Im März 1996 hatte ihn das Landgericht Flensburg zu einer Jugendstrafe von acht Jahren und sechs Monaten wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt.Das Gericht sah es als erwiesen an, daß er gemeinsam mit anderen im April 1995 einen 53jährigen arbeitslosen Seemann in dessen Wohnung "auf grauenvolle Weise getötet" habe.Der Seemann soll damals aus Mitleid die jungen Leute aufgenommen haben.Nach "reichlich Alkoholgenuß" war der Mann getreten, geschlagen und schließlich mit zahlreichen Messerstichen attackiert worden.Nach der Tat sollen die Täter das Opfer in einen Teppich eingerollt haben und geflüchtet sein. In dem Lübecker Gefängnis sitzt der 23jährige seit etwa einem halben Jahr.Einen Ausbruchsversuch soll er bis zum Dienstag nicht unternommen haben.Vor seiner Haftzeit in Lauerhof war der Mann in Neumünster untergebracht.Im Gefängnis ist er nach Angaben des Justizministeriums aufgefallen.Bei der mündlichen Urteilsbegründung war nach Zeitungsberichten erklärt worden, es läge "eine psycho-soziale Verwahrlosung" vor.

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