Arbeit : Brötchen-Aufstrich am Arbeitsplatz gestohlen - Kündigung aufgehoben

Weil er einen Brotaufstrich abschmeckte, wurde Bäcker Benjamin Lassak wegen Diebstahls fristlos gekündigt. Allerdings hat die Bäckerei-Kette dabei offenbar formale Fehler gemacht - die ohnehin fragwürdige Kündigung ist nicht wirksam.

Dortmund Das Brötchen hatte der Bäcker gekauft - den Kräuter-Öl-Aufstrich aber angeblich geklaut. Wieder geht es um einen Mini-Diebstahl am Arbeitsplatz. Diesmal geht es um einen Wert von rund 50 Cent.

Vom "Hirtenfladen"-Belag soll der Bäcker Benjamin Lassak (26) im vergangenen Spätsommer gestohlen haben. Er habe jedoch nur den Geschmack überprüfen wollen, sagte Lassak. Die Bergkamener Bäckerei-Kette hatte dem Betriebsratsmitglied dennoch fristlos gekündigt. Aus formalen Gründen zu Unrecht, befand das Arbeitsgericht Dortmund am Dienstag: Das Unternehmen muss Lassak nun weiterbeschäftigen. Ob der Beschäftigte den Belag letztlich zu Unrecht probiert hatte, ließ das Gericht ungeprüft.

"Es ist nur aus einem besonderen Grund möglich, Betriebsratsmitglieder zu kündigen", betonte Richter Guido Marek. In jedem Fall müsse der Betriebsrat geladen werden und der Kündigung , zustimmen. Dabei seien der Bäckerei-Kette formale Fehler unterlaufen. Die Kündigung sei deswegen unwirksam. "Das war alles okay von den Fristen her", widersprach der Anwalt des Unternehmens, der eine Berufung erwägt.

"Wenn ich mir jetzt vorstelle, das wäre versalzen rausgegangen..."

"Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass es so ausgeht", sagte Lassak nach der Urteilsverkündung erfreut. Schließlich hatte vor zwei Wochen das Berliner Landesarbeitsgericht die fristlose Kündigung einer Kassiererin für rechtens erklärt, die zwei Pfandbons im Gesamtwert von 1,30 Euro unterschlagen hatte. Hätte es im Fall Lassak keine formalen Fehler seitens der Bäckerei-Kette gegeben, "wäre das wieder ein offenes Rennen gewesen", sagte der Richter. Dann hätte das Gericht klären müssen, ob Lassaks Handeln als Bagatelldiebstahl zu werten und dies ein Kündigungsgrund gewesen sei.

"Ich gehe davon aus, dass das Gericht auch dann der Klage stattgegeben hätte", ist Lassaks Anwalt Christoph Goetsch überzeugt. Immerhin habe sein Mandant mit seinem Kollegen (44) den Aufstrich nur abschmecken wollen. "Wenn ich mir jetzt vorstelle, das wäre versalzen rausgegangen, dann hätten wir einen auf den Deckel bekommen", verteidigt sich Lassak. Sein Kollege wurde ebenfalls fristlos entlassen und klagte gegen seine Kündigung. In seinem Fall wollte das Dortmunder Gericht erst am Dienstagnachmittag ein Urteil verkünden. (yr/dpa)

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