Archäologie : Mitten in L.A. wird nach Eiszeit-Tieren gegraben

Jeden Sommer graben Archäologen in der Hitze des Sommers nach Relikten der Eiszeit: elefantenähnliche Mastodonten oder Säbelzahntiger hat der Boden unter Los Angeles schon freigegeben.

Los Angeles - Und jedes Jahr im Sommer beginnt die Suche für zwei Monate neu. Zwischen weltbekannten Museen, mehrstöckigen Häusern und viel befahrenen Straßen tauchen die Forscher fünf Meter tief in das "Mekka der Eiszeit-Säuger" hinab, wie Shelley Cox schwärmt, die für die Laborarbeiten der Fundstelle La Brea Tar Pits zuständig ist. Vier Millionen Schädel, Knochen oder Krallen wurden bereits zu Tage befördert, von Tieren, denen der sumpfige Teer im Becken von Los Angeles vor bis zu 40.000 Jahren zur tödlichen Falle wurde.

"Wir wissen überhaupt nicht mehr wohin mit den vielen Funden", sagt die Wissenschaftlerin Cox. Sie steht zwischen Regalen, die bis unter die Decke reichen und unzählige mit den Schildern "Zur Reinigung" oder "Zur Katalogisierung" versehene Objekte bewahren. Allein im vergangenen Jahr wurden 3000 Funde gezählt, vom Mäusekieferknochen bis zum Mastodon-Oberschenkel. Selbst wenn ein oder zwei Jahre lang nicht gegraben würde, hätten die Forscher mit der Katalogisierung genügend zu tun.

Und immer wieder durchbricht ein besonderes Stück die Routine der Archäologen: So wurde im vergangenen Sommer das komplette rund 30.000 Jahre alte Skelett eines Säbelzahntigers gefunden. "In der Blüte seines Lebens ist er in den Teerboden getappt", berichtet Cox mitleidsvoll über das Tier, das in der Teergrube ein vorzeitiges Ende fand. Ihre Kollegen haben den Tiger "Max" getauft.

Großes Zentrum für die Wissenschaft

"Das hier ist die weltweit größte Ansammlung von Fossilien aus der Eiszeit", erzählt stolz der Kurator der La Brea Tar Pits, John Harris. "Noch in 20 Jahren werden wir hier Knochen herausholen." Der archäologisch wertvolle Schatz wurde bereits 1915 bei den Bauarbeiten zum Los Angeles County Museum of Art entdeckt. Seit 1969 finden im Stadtteil Hancock Park regelmäßig Grabungen statt. 650 verschiedene Arten von Tieren und Pflanzen wurden seither gefunden. "In den zwölf Jahren, in denen ich hier grabe, habe ich wahrscheinlich 5000 Jahre Naturgeschichte durchschritten", sagt die frühere Anatomie-Professorin Jean Moore und klopft vorsichtig die von Teer verkrusteten Krallen einer prähistorischen Katze sauber. Moore leistet in La Brea freiwillige Hilfe.

Zahlreiche Wissenschaftler strömen jedes Jahr nach La Brea, um die auch in einem Museum gezeigte Sammlung zu studieren und für Vergleiche mit Funden andernorts heranzuziehen. Deshalb nennt Wissenschaftlerin Cox ihren Arbeitsplatz das Mekka für die Forschung an Eiszeit-Säugetieren. Mit jedem Jahr, aber auch mit jedem neuen Bauprojekt in der Umgebung steigt die Zahl der Fossilien. Erst kürzlich wurde beim Bau eines Parkplatz zum County Museum of Art ein vollständig erhaltenes Mastodon-Skelett entdeckt. Und auch die geplante U-Bahn-Linie Miracle Mile entlang dem Wilshire Boulevard direkt südlich neben der Teergrube dürfte die prähistorische Sammlung wieder erheblich bereichern. (Von Zachary Slobig, AFP)

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